Die publikationsstärksten Volkswirte: das Handelsblatt-VWL-Ranking 2013

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David IselinJörg Schläpfer und Sean Vogel, 6. Sept. 2013
Die publikationsstärksten Volkswirte: das Handelsblatt-VWL-Ranking 2013 3.00 5 11

Wer sind die forschungsproduktivsten deutschen, österreichischen und schweizerischen Volkswirtinnen und -wirte? In den letzten fünf Jahren? Der unter 40-Jährigen? Über das ganze Forschungsleben hinweg? Das an der KOF erstellte Handelsblatt-VWL-Ranking 2013 gibt Antworten.

Es ist wieder soweit. Die KOF hat als Betreiberin des vom Verein für Socialpolitik initiierten Forschungsmonitoring[ a ] die Publikationsdaten der deutschsprachigen Volkswirte zusammengetragen und daraus neue Rankings zur Forschungstätigkeit erstellt. Die Spitzenposition in der Kategorie Lebenswerk hält wie in den Vorjahren Bruno S. Frey (Zeppelin Universität). Roman Inderst (Goethe Universität Frankfurt am Main) ist der aktuell produktivste Ökonom und in der Kategorie der unter 40-Jährigen schwingt Ulrich Müller (Princeton University) ganz oben aus.

Für das neue Handelsblatt-VWL-Ranking wurden die Publikationen von rund 3200 Volkswirtinnen und Volkswirten erfasst. Diese konnten ihre Beiträge in knapp 1000 verschiedenen Zeitschriften[ b ] publizieren. Rund 5000 für das Ranking relevante Artikel sind im letzten halben Jahr im Forschungsmonitoring neu erfasst worden. Bis zum Stichtag, dem 15. Juli 2013, waren es insgesamt knapp 25000. Die Daten entstammen den Datenbanken EconLit [ c ]und RePEc[ d ], öffentlich zugänglichen Webseiten oder wurden durch die Forscher selber im Webportal des Forschungsmonitorings ergänzt. Die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH[ e ] hat daraus das neue Ranking erstellt.

Die Spitzenpositionen in den verschiedenen Kategorien sind unten aufgeführt. Die Liste mit allen Rankings finden sich auf der Webseite des Handelsblattes[ f ].

Die Topplatzierungen 2013

Roman Inderst von der Goethe Universität Frankfurt führt unangefochten das Ranking an, gefolgt von Matthias Sutter (Universität Innsbruck) und Peter Egger (ETH Zürich). Einen grossen Sprung nach vorne gegenüber dem letzten Ranking von 2011 haben Lutz Kilian von der University of Michigan und Patrick W. Schmitz von der Universität Köln (2011: 12) genommen.

Tabelle 1: Die Top 10 aktuelle Forschungstätigkeit der letzten 5 Jahre

Wie in den vorangegangenen Rankings führt weiterhin Bruno S. Frey (Zeppelin University) beim Lebenswerk die Rangliste an, vor Martin Hellwig von der Univesität Bonn (2011: Rang 2) und Roman Inderst (2011: Rang 4).

Tabelle 2: Die Top 10 Lebenswerk

Bei den unter 40-jährigen Forschern zeigt sich klar, dass ausländische Universitäten ein fruchtbares Feld sind für die wissenschaftliche Tätigkeit. Ulrich Müller von der Princeton University belegt Rang 1. Zudem konnten sich hier zwei Ökonominnen profilieren. Ulrike Malmendier (University of California, Berkeley) liegt auf Rang 2 und ebenfalls weiter verbessern konnte sich Ester Faia von der Goethe Universität Frankfurt (neu auf Rang 4, 2011: Rang 8). Der jüngste unter den Top 10 ist mit 36 Jahren Tim Friehe von der Universität Bonn.

Tabelle 3: Die Top 10 bei den U-40

Wie eine Analyse der Zeitschriften zeigt, konnten die deutschsprachigen Forscher bemerkenswert viele Artikel in sehr guten Journals wie der American Economic Review (367) oder der European Economic Review (520) unterbringen. Diese Publikationen lassen auf herausragende Forschung schliessen.

Die Zeitschriftenliste bringt zudem einen weiteren interessanten Aspekt zu Tage. Sie gibt nämlich auf die vor Kurzem in einem viel beachteten – und sofort von Ökonomen wie Paul Krugman[ g ] oder Justin Wolfers[ h ] kritisierten – Artikel in der New York Times, ob die Ökonomie überhaupt eine Wissenschaft sei, auf ihre Weise Antwort. In What Is Economics Good For?[ i ] werfen die Philosophen Alex Rosenberg und Tyler Curtain der Ökonomie vor, eine Pseudo-Naturwissenschaft zu sein. Mit 36 Artikeln in der, neben Nature wohl bekanntesten naturwissenschaftlichen, Zeitschrift Science scheinen auch Ökonomen durchaus fähig zu sein, richtige – in Bezug auf die fächerübergreifende Wahrnehmung – Wissenschaft zu liefern.

Wie wird Forschungsleistung gemessen?

Ranglisten wie das Handelsblatt-VWL-Ranking rufen regelmässig Kritik hervor. Bereits beim letzten Ranking 2011 haben wir dazu einen Beitrag auf der Ökonomenstimme verfasst (Bannert et al. 2011), der die wichtigsten Kritikpunkte – siehe etwa Frey (2007), Schläpfer (2011), Adler und Harzing (2009) – aufnimmt und diese zumindest teilweise zu entschärfen versucht. Als Spiegel der volkswirtschaftlichen Publikationstätigkeit ist das Handelsblatt-VWL-Ranking sicherlich bekannt, dies zeigt auch die rege Teilnahme auf dem Webportal Forschungsmonitoring im Vorfeld der aktuellen Rankingsausgabe. Das von der KOF im Auftrag des Handelsblattes erstellte Ranking ist auch nicht der einzige Versuch, den Einfluss einzelner Ökonomen zu messen. Beispielsweise liefert die Datenbank RePEc [ d ]verschiedenartige Rankings wie jenes der 5% meistzitierten Ökonomen. An der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik Anfang September hat auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ[ j ]) ein neues Ranking vorgestellt, welches den Einfluss von Ökonomen in Politik, Medien und Forschung misst.

Jedes dieser Rankings hat einen etwas anders gelagerten Fokus. Das Handelsblatt-Ranking beurteilt die qualitätsgewichtete Menge des Forschungsoutputs, wobei Forscher aus den drei Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz die gleichen Startchancen haben. Erfasst werden zudem nicht nur alle promovierten Volkswirte an einer Universität in Deutschland, der Schweiz und Österreich, sondern auch jene aus diesen Ländern stammenden Forscher, die mittlerweile im Ausland tätig sind. Diese geographische Reichweite liefert [ k ]einen guten Überblick über die Forschungstätigkeit von deutschen, österreichischen und schweizerischen Volkswirten an Universitäten ausserhalb des deutschsprachigen Raums. Dank dieser breiten Erfassungsbasis kann das Handelsblatt-VWL-Ranking die Forschungsleistung ganzer Fachbereiche abdecken.

Nicht zuletzt finden sich viele der Ökonominnen und Ökonomen, die Rankings weit vorne liegen, auch in der Autorenliste der Ökonomenstimme.

Literatur

Adler, N. und A.W. Harzing (2009). When Knowledge wins: Transcending the sense and nonsense of academic rankings. Academy of Management Learning, 8: 72-95.

Bannert, M., Iselin, D., Schläpfer, J. und J.-E. Sturm (2011). Meisteruni Mannheim, Das Handelsblatt-VWL-Ranking 2011. Ökonomenstimme, 5. September 2011.

Frey, Bruno S. (2007). Evaluierungen, Evaluierungen … Evaluitis. Perspektiven der Wirtschaftspolitik 8(3), 207-220.

Schläpfer, F. (2011). Reformbedarf bei der Rating-Agentur für Ökonomen. NZZ, 26.8.2011.

©KOF ETH Zürich, 6. Sep. 2013

 
Die publikationsstärksten Volkswirte: das Handelsblatt-VWL-Ranking 2013 3.00 5 11

Kommentare

Dieser Artikel hat 8 Kommentare.
  • Vorsicht Ranking!

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    Seit einigen Jahren versucht das Handelsblatt, mit einem Ranking die Produktivität der Ökonomen-Zunft zu messen. Hierbei kommt das Handelsblatt durchaus einem Bedürfnis der Ökonomen entgegen, weil diese von ihrer Veranlagung und Ausbildung her gerne mit Zahlen hantieren und in Leistungskategorien denken. (Rankings sind bei Historikern oder Altphilologen schwer vorstellbar.) Entsprechend groß ist die Spannung gerade unter Wirtschaftswissenschaftlern, wenn die alljährlichen Rankings anstehen. Aber wie kann man die Güte von Forschung messen? Ist dies überhaupt möglich? Je mehr man sich mit dem Problem der Leistungsmessung im Wissenschaftsbetrieb beschäftigt, desto größer wird die Konfusion und desto mehr verheddert man sich im Knäuel der Argumente. Einerseits muss jeder, der gegen an Publikationen orientierten Rankings ist, Alternativen aufzeigen. Dies ist gar nicht so einfach. Aber dass eine irgendwie geartete objektivere Leistungsbewertung notwendig ist, wird niemand bestreiten. Schließlich geht es um viel Geld, Lehrstühle und Karrieren. In der Vergangenheit spielte z.B. der Ruf des Doktorvaters eine wichtige Rolle, es gab viele Hochschullehrer, die allesamt Schüler eines Lehrers waren bzw. der gleichen Fakultät entstammten. (Man denke z.B. an die „saarländische Schule“ der VWL in den 60er und 70er Jahren in Deutschland oder die Schülerschaft von Erich Gutenberg.)

    Und doch muss man sich die Schwächen des Handelsblatt-Rankings verdeutlichen: Nicht alle Aufsätze in den Top-Journals sind von gleicher Qualität. Man muss wohl davon ausgehen, dass der Großteil der Aufsätze in den A-Journals von keine nennenswerten Wirkungen hat – sieht man einmal von den positiven Folgen für die Verfasser bezüglich Karriere, Ansehen etc. ab. Nimmt man bahnbrechende Aufsätze wie z.B. die von Akerlof („The market for lemons“), Barro („Are government bonds net wealth“) oder Coase („The problem of social cost“) als Referenz, so handelt es sich auch bei den Top-Journal-Veröffentlichungen um Leichtgewichte.
    Und genau hier liegt der Knackpunkt, wenn es in den Rankings vor allem um die erbrachte wissenschaftliche Lebensleistung geht. Ökonomen mit wenigen, aber revolutionären Publikationen wie Coase und Sraffa schneiden in einem Handelsblatt-Ranking deutlich schlechter ab als solche Ökonomen mit vielen (im Vergleich dazu) mäßigen Aufsätzen, die in Top-Journals veröffentlicht werden.
    Ein deutlich besseres Maß für die Bedeutung eines Ökonomen ist, wie häufig dieser von anderen Wissenschaftlern zitiert wird. So funktioniert ja gewissermaßen der PageRank-Algorithmus von Google. Je mehr Verlinkungen es auf eine Seite gibt, umso höher wird diese bewertet.

  • Handelsblattranking: Methodenkritik

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    Das Handelsblattranking weist meiner Meinung nach 3 methodische Unsauberkeiten auf:
    1. Die unsaubere Trennung zwischen A- und A+-journals (es sollte nur 5 top journals geben; Nature, Sciene, JFE etc sollten als top field journal gezaehlt werden)
    2. Der unsaubere relative journal Punkteabstand (besonders zwischen top, top field and good field journal)
    3. Die faktische Bestrafung von Koautorenschaften durch Gewichtung mit 1/n.

    Punkte 1, 2 und 3 in Kombination führen dazu, dass ein Autor eher eine Einzelpublikation in PWP anstreben wird als ein Vielautorenpapier in AER.
    Punkt 1 führt zu einem relativen Vorteil der Finanzökonomen (finance) und Experimentalökonomen.

    Zum Vergleich würde ich gerne einmal ein ranking nach der Tinbergen-Liste sehen!

  • Handelsblatt-Ranking: Zu Recht führend in der VWL

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    Das Handelsblatt-Ranking gilt zu Recht als das führende Forschungsranking in der deutschsprachigen VWL. Letztendlich kann die Qualität eines Artikels nur beurteilt werden, wenn man den Artikel liest. Nun ist nicht jeder gleich qualifiziert, um einen Artikel zu beurteilen. Weitgehend unstrittig dürfte sein, dass in den Editorial Boards der wichtigsten Fachzeitschriften hochkompetente Experten sitzen – typischerweise weitaus kompetenter, als der Großteil der in deutschen Berufungskommissionen sitzenden Professoren. Die Top Journals nehmen nur sehr wenige Arbeiten zur Publikation an, oft werden weit über 90% abgelehnt. Wenn also eine Arbeit bei einem Top Journal angenommen wird, ist dies ein Ausweis ihrer Qualität. Es mag in Einzelfällen vorkommen, dass jemand mal Glück hatte. Aber wer über einen längeren Zeitraum immer wieder in den Spitzenzeitschriften publiziert, leistet mit Sicherheit herausragende Arbeit.

    Ein Ranking, dass auf den Qualitätsurteilen der besten Journals basiert, ist weitaus zuverlässiger als ein Zitationsranking. Zum einen gibt es so genannte Zitationskartelle, was kein Geheimnis ist. Zum anderen unterscheiden sich die Zitationsgewohnheiten in den Subdisziplinen der VWL ganz erheblich voneinander. Hinzu kommt, dass der Grund für eine Zitation ganz unterschiedlicher Art sein kann: Zum Beispiel kann ein Artikel zitiert werden, weil er einen Fehler enthält, was kein Ausweis seiner Qualität ist. Einer der meistzitierten Aufsätze in der deutschen VWL stammt von einem Programmierer, der festgelegt hat, dass jeder, der sein Computerprogramm (zur Durchführung von Experimenten) nutzt, ihn zitieren muss. Hätte der Programmierer von Latex eine ähnliche Bedingung aufgestellt, würde er wohl sämtliche Zitationsrekorde brechen. Hinzu kommt, dass Zitationen sich wenn überhaupt dann nur für ein Lebenswerk-Ranking eignen, nicht zu Messung der Produktivität der letzten 5 Jahre. Jüngere Wissenschaftler würden so nicht sichtbar. Ein weiterer Punkt ist, dass hochanspruchsvolle Grundlagenforschung mathematisch so anspruchsvoll sein kann, dass sie nur von wenigen Experten überhaupt nachvollzogen werden kann. Ein solcher Artikel wird nicht oft zitiert, kann aber dennoch qualitativ höherwertige Forschung sein als populistische Artikel, die z.B. von einer politischen Ideologie getrieben sind und deshalb häufig (zustimmend oder ablehnend) zitiert werden.

    Das Handelsblatt-Ranking ist einem Zitationsranking auf jeden Fall weit überlegen. Dennoch könnte das Handelsblatt-Ranking weiter verbessert werden: Die A+ Kategorie sollte nur aus den Top-5 Journals bestehen. Außerdem sollten die Kategorien B, C, D weniger Punkte erhalten, damit Qualität noch stärker gewichtet wird als Quantität. Dass Koautoren mit 1/n gewichtet werden, macht hingegen sehr viel Sinn. Ansonsten könnte eine Fakultät ganz schnell oben im Ranking stehen, wenn einfach jeder Professor der Fakultät auf jedem Paper der Fakultät steht...

    Fazit: Das Handelsblatt-Ranking ist nicht perfekt, aber mit Abstand das beste Ranking, das es in der VWL gibt.

  • Ranking ist ganz einfach

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    Der Staat legt qua Rechtsverordnung fest, dass die Absolventen ein Jahr nach Abschluss ihres Studiums mitteilen, ob sie einen Job haben oder nicht sowie den Verdienst. Die verschiedenen Fakultäten der Wirtschaftswissenschaften haben diese Zahlen dann, auf Ihrer Website, zu veröffentlichen, also jede Fakultät die Daten "ihrer" Absolventen. Anhand dieser Zahlen ließe sich dann die Qualität des dozierenden Personals höchst objektiv ermitteln. Die Underperformer, erstes Quartil, werden dann geschlossen und die Mittel umgeschichtet zu den Topperformern. Dieser Prozess wird alle fünf Jahre durchgeführt. Die schwätzenden Luschen, die keine Arbeitserfahrung haben und auch sonst nichts bringen, würden dann langfristig eliminiert.

    Weiter würde dieses Verfahren erlauben, die Relevanz der einzelnen Fakultäten für den Arbeitsmarkt abschätzen zu können. Haben z.B. bei den Elektrotechnikern 100 Prozent einen Job gefunden und das Einstiegsgehalt sind 60 000 Euro bei den Wiwi Fakultäten aber nur 80 Prozent bei einem Einstiegsgehalt von 40 000 Euro, dann ist eine Reallokation der Mittel sicher sinnvoll. Es macht ja wohl kaum Sinn, am einen Ende Überkapazitäten aufzubauen, die am anderen Ende fehlen.

    Dann hätte man vielleicht ein bisschen weniger Wissenschaftsgeschwurbel, dafür aber mehr und besser bezahlte Jobs.

    Das Verfahren würde dann auch Studiengebühren rechtfertigen, bzw. wäre dann eine marktwirtschaftlich sinnvolle Maßnahme. Betrachtet man die Studiengebühren als Investition, die sich rechnen muss, dann braucht es zur Durchführung dieser Rechnung eben harte Zahlen. Anhand wissenschaftlicher Publikationen in Fachzeitschriften des dozierenden Personals kann diese Investitionsentscheidung nicht rechnerisch fundiert werden. Als Kriterium für eine Investitionsentscheidung ist das zu weich.

  • Neoklassische Karikatur und Ranking

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    Kommentar zu serdna:
    Im Kern hat „serdna“ nicht ganz Unrecht. Ökonomen haben keine besonders hohe Produktivität und man sollte im Wissenschaftsbereich schon mal über eine Reallokation von Ressourcen nachdenken. An der Goethe-Universität in Frankfurt hat man in den letzten Jahren sehr viele Lehrstühle für VWL eingerichtet. Dieses Geld hätte das Land Hessen besser für Lehrstühle und Mitarbeiter z.B. im Bereich „Neue Energien“ an der TU Darmstadt oder der GH Kassel verwenden sollen. Auch wenn serdna im Kern nicht ganz Unrecht hat, sind die Vorschläge im Detail eher eine Karikatur neoklassischer Denkmuster und zeigen, welchen Irrweg die Ökonomie teilweise mit Leuten wie Gary Becker et al. eingeschlagen hat. Schuster bleib bei den Leisten! Die Welt besteht nicht nur aus Schuhen.

    Ein kurzer Kommentar noch zu Kbw:
    Sie erwähnen Zitationskartelle, die es hier und da auch wirklich geben mag. (Apropos: Man hört dies oft. Aber eine wissenschaftliche Arbeit, die Zitationskartelle belegt, ist mir nicht bekannt. Wenn es eine solche Arbeit geben sollte, wäre ich dankbar, wenn darauf verwiesen würde.) Aber mit Veröffentlichungen in Zeitschriften geht es auch nicht immer koscher zu. Häufig veröffentlichen Ökonomen ausgerechnet in den Zeitschriften, für die sie als Gutachter tätig sind. Böse, wer Böses dabei denkt;-) Es scheint ganz offensichtlich auch so etwas wie Veröffentlichungskartelle zu geben.

    Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass deutsche Ökonomen, die an deutschen Universitäten arbeiten, nur selten in die amerikanischen Top-Journals kommen? Aber deutsche Ökonomen, die an einer amerikanischen Universität lehren und forschen, können relativ leicht in American Economic Review u.ä. veröffentlichen. Zufall? Wohl nicht. Die amerikanischen Top-Journals sind Beispiele für Veröffentlichungskartelle.

    Und noch ein Letztes: Dem Ideal nach werden die Aufsätze im Doppel-Blind-Verfahren begutachtet. Hier lügt sich die Wissenschaft selbst in die Tasche. Einfaches Googlen bringt sofort ans Licht, wer der Autor des Aufsatzes ist, weil die meisten Aufsätze erst einmal als Diskussionspapiere erscheinen und im Internet zugänglich sind. Es ist ein Mythos, dass die Begutachter nicht wüssten, von wem der Aufsatz stammt.

    • die Welt als Karikatur?

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      Kann es sein, dass Sie dozierend tätig sind? Das von mir vorgeschlagene Verfahren läuft auf eine Bezahlung nach klar am Markt dokumentierter Leistung hinaus. Ich weiß, dass Beamten diese Sichtweise fremd ist und auch die dozierende Ökokaste für die marktwirtschaftliche Ordnung nur Sympathien hat, wenn diese im Akkusativ auftritt, als Objekt des Verbes betrachten, nicht aber im Nominativ, als die Tätigkeit arbeiten ausführendes Subjekt. Haben Sie prinzipiell ein Problem mit der Bezahlung nach Leistung anhand klarer, marktüblicher Parameter? Ich erzähle Ihnen mal was. Der private Bildungssektor ist so strukturiert. Sie bringen Nutzwert, in Euro, oder Sie fliegen. Akadmisches Asbach Uralt Geschwafel ist da nicht. Ich glaube SIE befinden sich auf der Seite der Karikatur.

      Kennen Sie übrigens Adam Smith? Wealth of Nations, mal gelesen? Im Orginal? Das ist die verschärfte Variante. Sein Vorschlag: Dozenten werden direkt von den Stunden pro Vorlesung bezahlt. Adam Smith stellt fest, dass die Leistung nicht mehr stimmt, wenn das Salär einfach zugewiesen wird. Wir haben was die dozierende Ökokaste angeht ein systemisches Problem.

  • AW: Die Welt als Karikatur?

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    Lieber Serdna,

    da Sie auf meinen Kommentar reagiert haben, möchte ich konkret auf Ihren Vorschlag eingehen:

    (1) Sie möchten, dass die Qualität einer WiWi-Fakultät rein an den von den Absolventen erzielten Einkommen gemessen wird. Haben Sie sich einmal überlegt, was geschehen würde, wenn man Ihren Vorschlag umsetzen würde? Die Universitäten und privaten Hochschulen würden anfangen, die Zulassungsbedingungen zum Studium deutlich zu verschärfen. Man würde nur noch exzellente Abiturienten mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen (ehrgeizig, konkurrenzorientiert, psychisch stabil etc.) auswählen. Und diese Selektion (in der Ökonomie spricht man auch von Bias) würde dazu führen, dass die Absolventen rein statistisch höhere Einkommen haben, ohne dass dies ein Zeichen für einen herausragenden Wissenschaftsbetrieb einer Fakultät wäre.

    (2) Ihr Vorschlag würde die gesamte Fakultät betreffen. Aber meine Erfahrung ist, dass es unter Dozenten und Professoren nicht anders zugeht als sonstwo in der Arbeitswelt: Es gibt leistungsstarke und engagierte Dozenten genauso wie es solche gibt, die z.B. nicht viel Wert auf gute Lehrveranstaltungen legen. Alle mit Ihrem Vorschlag über einen Kamm zu scheren und kollektiv zu bestrafen, erscheint mir nicht fair.

    (3) Wissen Sie überhaupt, was für ein umständliches Ungetüm Sie da vorschlagen? Das erste Quartil der von Ihnen so genannten Underperformer-Fakultäten soll geschlossen werden und die frei werden Mittel sollen an die Topperformer umverteilt werden. Wissen Sie, was es heißt, eine ganze Fakultät zu schließen? Das gesamte Wissen der dortigen Mitarbeiter wäre mit einem Schlag verloren. Und die Topperformer sollen dann zusätzliche Kapazitäten aus dem Boden stampfen. Mit welchem Personal eigentlich? Und das alle 5 Jahre??!!

    (4) Es gibt Fakultäten wie die Kölner Universität, die lange Zeit von Ihrem Ruf und dem Ansehen der früheren Ökonomen (BWL-Papst Gutenberg!) gelebt haben. Dass die Absolventen bestimmter Fakultäten besonders nachgefragt sind, muss nichts über die augenblickliche Qualität der Fakultät aussagen.

    (5) Sie argumentieren sehr emotional, viele Ihrer Aussagen haben einen normativen und nicht positiven Charakter („Wissenschaftsgeschwurbel“).

    Die eine oder andere Kritik am Wissenschaftsbetrieb kann man gut nachvollziehen. Dies darf aber nicht dazu führen, dass man man das Kind mit dem Bade aussschüttet. Es gibt schließlich schon gute Vorschläge (siehe Bildungsgutscheine), die etwas mehr Wettbewerb schaffen könnten und die man in Deutschland mal im universitären Bereich ausprobieren sollte.

    P.S.: Auch wenn es mir schmeichelt: Ich arbeite nicht als Dozent und habe auch keine Professur. Bin dafür aber ein leidenschaftlicher Volkswirt;-))

  • Rätsel über Rätsel

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    ad 1) Was ist daran so ungewöhnlich???? Das ist überall so. In allen Numerus Clausus Fächern. Sollte ein Nexus zwischen Abiturnote und beruflicher Leistungsfähigkeit bestehen, ist das sinnvoll. An der Anzahl der Studienplätze ändert das nix, da diese gleich bleiben, würde lediglich in produktivere Bereiche umgeschichtet. Man könnte dann unter Umständen z.B. mit einem 2 er Abitur Medizin studieren. Das Argument ist mir völlig schleierhaft.

    ad 2) Ihnen ist schon klar, dass wenn ein Unternehmen dicht macht, dass alle Mitarbeiter betrifft, nicht nur die Minderleister? Was ist daran jetzt so ungewöhnlich?? Abgesehen davon haben die Topperformer ja die Möglichkeit, eine Anstellung an den Fakultäten zu finden, die im Zuge der Umstrukturierung vergrößert werden. Die Luschen fliegen raus. Wo ist das Problem??

    ad 3) Ähem. Also wenn Wirtschaftswissenschaftler mit einer solch harmlosen Umstrukturierung nicht klar kommen, dann sind sie irgendwie im falschen Fach unterwegs. Unternehmen werden dauernd geschlossen und neue gegründet und eine Wiwi Fakultät zu schließen, die haben nicht mal die Größe eine Mittelständischen Unternehmens, kaum Anlagen, keine komplexen finanziellen Verzahnungen etc.etc. ist da eine ganz leichte Übung. Wieso geht da Wissen verloren??? Entweder die Jungs, meistens sind es ja Jungs, haben was auf der Pfanne, dann kann man das Wissen auch in der privaten Wirtschaft verwenden oder sie haben halt nix auf der Pfanne, dann geht auch nix verloren. Ulkiges Argument. Spielt es in einer marktwirtschaftlichen Ordnung eine Rolle, dass "Wissen verlorengeht", wenn ein Unternehmen pleite macht?? Hab ich noch nie gehört. Quelle??

    ad 4) Eben, ohne harte, belastbare Zahlen kann das System nicht optimiert werden. Mein Reden

    ad 5) Ohne belastbare Parameter, lässt sich nicht entscheiden, ob es sinnfreies Geschwurbel ist. Bildungsgutscheine setzt voraus, dass Aussagen über die Performance gemacht werden können. Das ist ohne belastbare, konkrete, marktrelevante Daten nicht möglich. Student kriegt Bildungsgutschein und will nach dem Studium einen Job mit ordentlich Kohle. Aufgrund welcher Kriterien entscheidet er sich im derzeitigen System für eine Uni, wo er seinen Bildungsgutschein dann abgibt? Anhand von irgendwelchem Wissenschaftsgeschwurbel in irgendwelchen "wissenschaftlichen" Fachzeitschriften? Ist albern.

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Autoren

David Iselin

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Jörg Schläpfer

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Sean Vogel

Sean Vogel

Schlagworte

Handelsblatt-Ranking, Handelsblatt-VWL-Ranking, Rankings, VWL

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