Währungskrieg und Bretton Woods II

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Georg Erber, 20. Feb. 2013
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In seinem Beitrag Droht ein Währungskrieg hat Oliver Landmann gezeigt, dass wir von einem "Krieg" weit entfernt sind. Dieser Beitrag doppelt nach und fügt die Forderung nach einem internationalen Orientierungsrahmen an, um sich über Wechselkursanpassungen rechtzeitig und verbindlich zu verständigen.

Das Handelsblatt veröffentlichte zum Abschluss des G20-Gipfels in Moskau einen Beitrag unter dem schönen Titel Es gibt keinen Währungskrieg![ a ] Nun ja, aus Sicht eines Staatsrechtlers mag das ja aufgrund der Deklaration der Mitgliedsstaaten so sein. Einen Tag vorher hatte das Handelsblatt noch getitelt: G20 Gipfel in Moskau – Showdown im Währungskrieg[ b ]. Offenbar reicht eine gemeinsame Resolution der G20-Staaten den Redakteuren des Handelsblatts aus, um das Thema zu beerdigen. Wenn doch die Sache so einfach wäre.

Die Yen-Abwertung von 2012

Auslöser der Debatte um einen sich entwickelnden Währungskrieg, insbesondere der großen Handelsnationen, war die rasante Abwertung des japanischen Yen gegenüber anderen Leitwährungen wie dem US-Dollar und dem Euro seit Mitte des letzten Jahres. So fiel der Yen-Kurs gegenüber dem Euro[ c ] von 94,2 Yen pro Euro im Juli 2012 auf aktuell 125 Yen pro Euro. Eine drastische Abwertung fürwahr. Da Japan zugleich in einer Rezession steckt und der Export wegen des zuvor hohen Yen-Kurses lahmte, liegt der Schluss nahe, dass Japan hier eine beggar-thy-neighbor-Politik[ d ] zu Lasten der anderen Länder, insbesondere der EU und der USA betreibt. Schließlich läuft auch in den USA die Wirtschaft nicht rund und die Arbeitslosigkeit [ e ]verharrt auf ungewohnt hohem Niveau. Die EU einschließlich der Eurozone befinden sich ebenfalls in einer Rezession, wie die jüngsten Zahlen von Eurostat[ f ] beweisen.  Die entwickelten Volkswirtschaften leiden weiterhin unter dem Schuldenüberhang, der die Länder unter einen Konsolidierungszwang setzt. Die Voraussage von Reinhard und Rogoff[ g ], dass hohe Staatsverschuldung als Wachstumsbremse wirken wird, wenn sie jenseits einer Schranke von 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt, findet ihre Bestätigung in den aktuellen Wirtschaftsdaten.

Allerdings sollte man die Abwertung des Yen in den letzten acht Monaten relativieren. Japan galt in der Zeit der Turbulenzen der Eurokrise und der Debatte um die US-Staatsfinanzen im Kongress als safe haven für Anleger, die sich vor Finanzmarktturbulenzen insbesondere bei Staatsanleihen dieser Länder und möglichen Abwertungen ihrer Währungen fürchteten. Dies führte zu Fluchtkapitalbewegungen, die den Yen-Wechselkurs zuvor in die Höhe trieben. Im Jahr 2010 stand der Yen Wechselkurs zum Euro ebenfalls bei 125 Yen für einen Euro. Mithin kann man die Abwertung des Yen des vergangenen Jahres auch als einen Ausdruck einer Normalisierung im Wechselkursgefüge ansehen. Ähnliche Probleme haben ja auch die Schweiz dazu veranlasst im vergangenen Jahr den Kurs der Schweizer Frankens unter die Obergrenze von 1,20 Franken je Euro durch Devisenmarktinterventionen der Schweizer Nationalbank stabilisieren [ h ]zu lassen. In beiden Fällen spielte daher wohl eher eine defensive Haltung des Schutzes der eigenen Wirtschaft vor spekulativen Übertreibungen durch ausländische Kapitalzuflüsse eine maßgebliche Rolle.

Ein weiterer Faktor, der bisher in der Debatte um einen Währungskrieg zu wenig Beachtung geschenkt worden ist, besteht in der Tatsache, dass offensichtlich große Hedge-Fonds die Politik der japanischen Zentralbank, den Yen-Kurs auf ein niedrigeres Niveau zu bringen, tatkräftig mittels Carry Trades[ i ] von Yen in andere Währungen unterstützten. George Soros[ j ] mit seinem Hedge Fond wird nachgesagt, er hätte so auf die Schnelle mal wieder eine Milliarde US-Dollar kassiert. Diese unerwartete Unterstützung seitens der Spekulanten hat die Yen-Abwertung sicherlich erheblich beschleunigt. Es verwundert daher nicht, dass der japanische Finanzminister sich öffentlich gegen die zu rasche Abwertung gewendet hat[ k ].  Zuviel des Guten hat eben heftige Gegenreaktionen in den anderen Ländern ausgelöst. Der vorzeitige Rücktritt des japanischen Zentralbankchefs kann auch dadurch ausgelöst worden sein, dass er offenbar diese Entwicklung falsch eingeschätzt hat. Sollte man der Deklaration von Moskau Glauben schenken, dann hat Japan gegenüber den anderen Ländern sich verpflichtet, keine weiteren Abwertungen des Yen mehr herbeizuführen. Offen bleibt, wie die Spekulanten sich jetzt verhalten werden. Treiben sie ihr Spiel noch weiter oder steigen die Big Player jetzt aus?

Es fehlt ein neues Bretton Woods

Was die Debatte um den Währungskrieg erneut deutlich zeigt, ist, dass es an entsprechenden Regeln zwischen den Regierungen und Zentralbanken der G20-Staaten fehlt, um sich über Wechselkursanpassungen rechtzeitig und verbindlich zu verständigen. Seit dem Zusammenbruch des Bretton Woods Systems taumelt das Währungsgefüge ziemlich unkontrolliert hin und her. Es fehlt eine gemeinsame Grundlagen an denen man Fehlbewertungen der Währungen untereinander messen kann, um dann entsprechende Korrekturen auch auf der politischen Agenda vereinbaren zu können. Fred Bergsten und John Williamson vom Peterson Institute for International Economics (IIE) haben ja bereits schon 2004 versucht hierfür einen Orientierungsrahmen zu entwickeln.[ 1 ] Der weiterhin zwischen China und den USA schwelende Konflikt über Währungsmanipulationen Chinas zeigt dies nachdrücklich.[ 2 ]

Ohne einen solchen gemeinsamen Orientierungsrahmen wird es weiterhin schwierig sein, starke Wechselkursbewegungen zwischen den Währungen effektiv zu kontrollieren. Letztendlich würde das auf ein reformiertes Bretton Woods System hinauslaufen, dem sich alle Mitgliedsstaaten der G20 verbindlich unterwerfen müssten. Leider fehlt es aber an der Bereitschaft hierfür die Voraussetzungen zu schaffen und das globale öffentliche Gut einer entsprechend den jeweiligen wettbewerblichen Gegebenheiten der einzelnen Länder angepassten koordinierten Wechselkurspolitik möglich zu machen. Hinzu kommen sollte auch eine Finanztransaktionssteuer auf Wechselkursspekulationen, um den Spekulanten vom Schlage Soros das Geschäftsmodell unattraktiv zu machen.

Bleibt vorerst nur zu hoffen, dass es jetzt bei den verkündeten Beschlüssen bleibt, den Wechselkurs nicht zu Lasten anderer Länder künstlich nach unten zu treiben. Der G20-Gipfel in Moskau hat jedenfalls wenig Hoffnungen geweckt, dass man einer nachhaltigen Lösung näher gekommen ist.


  • 1  C. Fred Bergsten und John Williamson (eds.): Dollar Adjustment: How Far? Against What? IIE, Washington D.C., November 2004.
  • 2  Surjit S. Bhalla: Devaluing to Prosperity: Misaligned Currencies and Their Growth Consequences, IIE, Washington D:C., August 2012.

©KOF ETH Zürich, 20. Feb. 2013

 
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Abwertung, Bretton-Woods, G-20, Währungskrieg

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