Ist Austerität der richtige Weg?

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Sebastian Gechert und Katja Rietzler, 5. Feb. 2013
Ist Austerität der richtige Weg? 2.04 5 57

Die Höhe des Multiplikatoreffekts fiskalpolitischer Massnahmen ist entscheidend für die Erfolgsaussichten der Austeritätspolitik im Euroraum. Darum dreht sich die aktuelle Debatte zwischen dem IWF, der Europäischen Kommission sowie den Autoren Blanchard und Leigh. Wer rechnet richtig?

Seit der Krise im Euroraum werden Multiplikatorwirkungen fiskalpolitischer Maßnahmen wieder intensiv diskutiert, hochaktuell in den Herbstprognosen des IWF (2012) und der Europäischen Kommission (2012a) sowie einem jüngst erschienenen IWF Papier (Blanchard und Leigh 2013).[ 1 ]

Der fiskalische Multiplikator gibt die Veränderungen des BIP in Reaktion auf veränderte staatliche Ausgaben bzw. Einnahmen für einen bestimmten Zeitraum an. Die genaue Höhe des Multiplikators ist in der Literatur umstritten. Schätzungen liegen in einem breiten Intervall.[ 2 ]  

Die Höhe des Effektes ist aber entscheidend, wenn man die Erfolgsaussichten der Austeritätspolitik in den Euro-Krisenländern beurteilen will, denn die Reaktion der Schuldenstandsquote (Schuldenstand im Verhältnis zum BIP) auf die Konsolidierung ist a priori unklar. Im Falle eines Multiplikators von null schlägt sich eine Ausgabenkürzung komplett in einem geringeren Defizit nieder und die Schuldenstandsquote sinkt relativ zu einem Szenario ohne Konsolidierung. Bei einem positiven Multiplikator reduziert sich das Defizit um weit weniger als den Betrag der Ausgabenkürzung, weil durch den Wachstumsverlust Steuereinnahmen sinken und sich die Ausgaben für die Arbeitslosenunterstützung erhöhen. Ein Rückgang des BIP erhöht zudem für sich genommen die Schuldenstandsquote, weil das BIP im Nenner steht.

Streit in der Troika

Um die Höhe des Multiplikators dreht sich die aktuelle Diskussion zwischen dem IWF (2012), der Europäischen Kommission (2012a) und Blanchard und Leigh (2013). Wissenschaftler des IWF haben anhand neuer Daten zu Konsolidierungsmaßnahmen und Wachstumsänderungen in 28 Ländern (EU-Länder und G20) berechnet, dass der bislang in der Prognose des Erfolges von Konsolidierungsprogrammen unterstellte Multiplikatoreffekt viel zu gering war (anstatt zuvor 0,5 berechnet der IWF nunmehr 0,9 bis 1,7). Entsprechend wurde der zu erwartende Konsolidierungserfolg weit überschätzt. Die Europäische Kommission hat die Ergebnisse des IWF anhand einer eigenen Rechnung in Zweifel gezogen und gelangt zu Multiplikatorwerten, die ihren bisherigen Erwartungen entsprechen (ca. 0,4).[ 3 ] In Blanchard und Leigh (2013) werden die Ergebnisse vom IWF (2012), ergänzt um weitere Robustheitstests, noch einmal bestätigt.

Um die Unterschiede in den Ergebnissen der beiden Institutionen erklären zu können, muss man deren voneinander abweichende Methodik und Datenbasis verstehen. Beide berechnen den Multiplikator grundsätzlich anhand von Prognosefehlern. Der IWF benutzt ein Sample aus 28 Ländern (G20 und einige EU-Staaten) und ermittelt zunächst für die Jahre 2010 und 2011 die Differenz aus prognostizierter (Stand 2010) und tatsächlicher (Stand 2012) Wachstumsrate des BIP. Dieser Prognosefehler wird dann auf die prognostizierte Konsolidierung (Änderung des strukturellen Defizits, Stand 2010) regressiert.[ 4 ] Der Koeffizient ergibt laut IWF die Abweichung des tatsächlichen Multiplikatorwertes vom bisher angenommenen. Der IWF unterstellt damit zunächst, dass die Abweichung vom erwarteten BIP vollständig auf die Konsolidierung zurückgeht. In verschiedenen Robustheitstests kontrollieren die Autoren jedoch für weitere Einflussfaktoren auf die Wachstumsabweichung, ohne dass sich das Ergebnis substantiell ändert. Dennoch weißt die Untersuchung des IWF Schwächen auf:

  • Die Anzahl der Datenpunkte (28) ist zu gering, um verlässliche Schlussfolgerungen über die Höhe des Multiplikators ziehen zu können. Jede zusätzliche Beobachtung kann zu merklich veränderten Ergebnissen führen.
  • Prognoseirrtum und erwartete Konsolidierung stammen in der Schätzung aus der gleichen Periode, mögliche Wirkungsverzögerungen aus Vorperioden werden daher ausgeblendet. Das ist unrealistisch, kann aber aufgrund der knappen Datenlage auch nicht weitergehend untersucht werden.

Für ihre eigene Untersuchung folgt die Europäische Kommission weitestgehend der Methodik des IWF, bezieht aber in einer ersten Schätzung ausschließlich Länder des Euroraums ein, in denen in beiden Jahren (2010 und 2011) die erwartete strukturelle Konsolidierung zunimmt. Das Ergebnis ist dann nicht mehr signifikant. In einer weiteren Schätzung verwendet die Europäische Kommission die Änderung der Risikoaufschläge der jeweiligen Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen als Kontrollvariable. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Risikoaufschläge und nicht die Konsolidierung signifikant für den Wachstumseinbruch sind. Beide Schätzungen der EU-Kommission weisen jedoch ebenfalls methodische Probleme auf:

  • Im Vergleich zur IWF-Studie enthalten sie noch weniger Datenpunkte (10 bzw. 16). Somit dürften ihre Ergebnisse noch weniger robust gegen die Einbeziehung weiterer Beobachtungen sein.
  • Für die erste Schätzung ist besonders fragwürdig, dass mit Griechenland ausgerechnet das Land, das die größten Konsolidierungsanstrengungen unternommen hat und in dem die Unterschätzung des BIP-Rückgangs am höchsten war, nicht berücksichtigt wird. Die Kommission begründet ihr Vorgehen damit, dass in Griechenland die Austeritätsmaßnahmen nicht mit einer Zunahme des Investorenvertrauens einhergingen (Europäische Kommission 2012b, S. 43). Diese Begründung überzeugt nicht, denn sie schließt systematisch Fälle aus, in denen Austerität nicht die von der Kommission erwartete Wirkung hat, sondern mit Wachstumseinbrüchen aufgrund hoher Multiplikatoren einhergeht. Man hätte zumindest eine Schätzung mit Griechenland ausweisen müssen, um die Bedeutsamkeit des Weglassens transparent zu machen.
  • Für die Schätzung mit Risikoaufschlägen als Kontrollvariable ist zu bezweifeln, dass die Risikoaufschläge und die Konsolidierung unabhängige exogene Variablen sind. Das verneint auch die Europäische Kommission, verwendet dies aber als Argument für eine noch schärfere Austeritätspolitik: Die angekündigten Konsolidierungsmaßnahmen seien aus Sicht der Finanzmärkte nicht ambitioniert, daher stiegen die Risikoaufschläge. In der Schätzung wären die Risikoaufschläge also negativ abhängig vom Umfang der geplanten Konsolidierung. Dieses Argument ist problematisch. Zum einen entsteht daraus ein Endogenitätsproblem zwischen den zwei erklärenden Variablen. Zum anderen spricht neuere Evidenz dafür, dass sich die Akteure auf den Finanzmärkten viel stärker am laufenden Wachstum als am strukturellen Defizit orientieren (Cottarelli und Jaramillo 2012). Die Kausalität läuft unter diesen Voraussetzungen von der erklärten Variable (BIP-Prognosefehler) zur erklärenden Variable (Risikoaufschläge). Auch dadurch entsteht ein Endogenitätsproblem, die Schätzung ist folglich unbrauchbar.

Umfassender Blick in die Literatur

Insgesamt sind beide Analysen mit hohen Unsicherheiten behaftet. Daher lohnt zur Fundierung ein umfassenderer Blick in die Literatur. In einer Meta-Regressions-Analyse haben Gechert und Will (2012) 89 Studien zu Fiskalmultiplikatoren ausgewertet. Sie finden für ausgabeseitige fiskalische Maßnahmen im Durchschnitt Multiplikatoren zwischen 0,9 und 1,2. Diese befinden sich im unteren Bereich der Ergebnisse des IWF, sind jedoch deutlich höher als jene der Europäischen Kommission.

Dabei ist zu beachten, dass in die Meta-Regressions-Analyse auch Studien einbezogen wurden, die nicht für die wirtschaftliche Situation zum Zeitpunkt der fiskalpolitischen Maßnahme kontrollieren. In der neueren Literatur wird dagegen vermehrt der Unterschied zwischen Multiplikatoren in Rezessionen und Aufschwüngen untersucht. In Zeiten unterausgelasteter Produktionskapazitäten und schwerer Krisen fällt dabei die Schätzung des Multiplikators regelmäßig wesentlich höher aus (Almunia et al. 2010, Auerbach und Gorodnichenko 2012a,b, Batini et al. 2012, Baum et al. 2012, Baum und Koester 2011, Corsetti et al. 2012, DeLong und Summers 2012, Fazzari et al. 2012, Hall 2009, Mittnik und Semmler 2012). Deren Ergebnisse passen in den Rahmen der IWF Studien, bzw. schätzen sogar Multiplikatoren größer 2.

Auf Basis des Datensatzes von Gechert und Will (2012) haben wir ermittelt, dass Simulationen mit einschlägigen DSGE- und strukturellen makroökonometrischen Modellen für Krisenszenarien – insbesondere bei akkomodierender Geldpolitik – im Durchschnitt Multiplikatoren finden, die signifikant um 0,5 bis 0,8 Punkte höher liegen. Der gesamte Multiplikatoreffekt für ausgabeseitige Maßnahmen liegt auf dieser Basis zwischen 1,5 und 1,8. Zusammengefasst gibt es demnach starke Anzeichen dafür, dass die negativen Auswirkungen der Austeritätspolitik im Euroraum bisher unterschätzt wurden. Da Multiplikatoreffekte im Moment besonders hoch zu sein scheinen, besteht die große Gefahr, dass die Konsolidierungsbemühungen das Wachstum weiter verlangsamen, die Schuldenstandsquote sogar erhöhen und sich letztlich selbst konterkarieren.

Was treibt den Schuldenstand?

Um zu beurteilen, ob eine Konsolidierungsstrategie erfolgreich sein kann, muss man ihre Wirkungen auf den Schuldenstand betrachten. Der Schuldenstand in der Periode t ergibt sich als Summe aus dem Schuldenstand in der vorangegangenen Periode abzgl. des Budgetsaldos zzgl. der sogenannten Bestands-Fluss-Anpassungen.[ 5 ]

Dt bezeichnet hier den Schuldenstand in der Periode t, it den durchschnittlichen Zinssatz, gt die nominale Wachstumsrate des BIP, Bt den Budgetsaldo in der Periode t, PBt den Primärsaldo (also den Budgetsaldo abzüglich der Zinsausgaben) und SFAt die Bestands-Fluss-Anpassungen (stock-flow adjustments). Der Primärsaldo besteht aus einem konjunkturellen Teil (CPBt) und einem strukturellen Teil (SPBt). Nachhaltige Konsolidierungsbemühungen sollten sich in einer Verringerung des letzteren Teils widerspiegeln. Bezeichnungen in Kleinbuchstaben (mit Ausnahme von it und gt) beziehen sich auf die jeweilige Größe relativ zum BIP. Demnach hängt der Schuldenstand in Prozent des BIP in der Periode t vom Schuldenstand in der Vorperiode, dem Zins, der Wachstumsrate, dem strukturellen wie konjunkturellen Primärsaldo und den Bestands-Fluss-Anpassungen ab.

Je höher der Schuldenstand bereits ist, umso höher ist auch der Primärsaldo der nötig wäre, um einen weiteren Anstieg der Schulden zu vermeiden. Nimmt man Bestands-Fluss-Anpassungen von null an, so zeigt sich, dass ein ausgeglichener Primärsaldo nur dann mit einer Stabilisierung des Schuldenstands vereinbar ist, wenn die nominale Wachstumsrate den durchschnittlichen Zinssatz übersteigt.

Welche Rolle spielt nun der Multiplikator für die Änderung des Schuldenstandes nach einer Änderung des strukturellen Primärsaldos? Dafür leitet man Gleichung (4) nach dem strukturellen Primärsaldo ab. Es ist zu beachten, dass die Wachstumsrate und indirekt auch der konjunkturelle Primärsaldo von der Veränderung des strukturellen Primärsaldos abhängen. Streng genommen dürfte auch der Zinssatz von den fiskalischen Größen beeinflusst werden, wobei diese Rückwirkung hier ausgeblendet wird. Es ergibt sich dann:

Dabei bezeichnet m den Multiplikatoreffekt und as die Stärke der automatischen Stabilisatoren, also die Reaktion des zyklischen Budgets auf eine Änderung der Wachstumsrate des BIP. Anhand der Formel wird offensichtlich, dass Konsolidierungsbemühungen nicht notwendigerweise zum Konsolidierungserfolg führen. Die Schuldenstandsquote nimmt nur ab, wenn Gleichung (6) kleiner Null ist, das heißt, wenn der Term kleiner Eins ist. Dies ist umso eher der Fall je kleiner der Multiplikator, je schwächer die automatischen Stabilisatoren, je niedriger der Zinssatz, je höher die aktuelle Wachstumsrate und je geringer die Schuldenstandsquote im Ausgangszeitpunkt sind. Bei ungünstigen Ausgangsbedingungen (hoher Schuldenstand, hoher Zinssatz, geringe Wachstumsrate) sowie hohen Multiplikatoren und Budgetsensitivitäten führen Austeritätsmaßnahmen zu einem Anstieg der Schuldenstandsquote.

Auf dieser Grundlage haben wir kritische Multiplikatoren für Deutschland und ausgewählte Krisenländer berechnet, bei denen die Schuldenstandsquote von 2011 auf 2012 gerade unverändert geblieben wäre, wenn man die tatsächlichen Werte bzw. die Prognose der EU-Kommission für Budgetsensitivität, Schuldenstand, Zins (berechnet aus den Zinsausgaben in % des BIP und dem BIP) und Wachstumsrate ansetzt (Tabelle). Dabei gelangen wir zu ähnlichen kritischen Werten wie die Europäische Kommission (2012b, S. 140).

Tabelle: Kritische Multiplikatoren 2012

                             

In der aktuellen Situation dürften die Multiplikatoren jedoch, wie oben beschrieben, deutlich höher sein als die berechneten kritischen Multiplikatoren. Somit dürfte der Schuldenstand in fast allen Ländern infolge von Konsolidierungsmaßnahmen weiter steigen.

Makroökonomisch fehlgeleiteter Austeritätskurs

Dass die harten Einschnitte in den Krisenländern nicht von Erfolg gekrönt sind, liegt nicht etwa an einer laschen Umsetzung, sondern ist die makroökonomisch zwingende Folge eines fehlgeleiteten Austeritätskurses. Trotz dieser Befunde argumentiert die Troika für eine Fortsetzung der Maßnahmen, da diese in der langen Frist erfolgreich seien. Ihre Begründung beruht auf Modellsimulationen, die mittelfristig Multiplikatorwirkungen von null unterstellen. Die Wirtschaft würde dann automatisch zum gleichgewichtigen Wachstumspfad zurückkehren. Doch selbst in diesen Modellen dürfte sich auch längerfristig ein steigender Schuldenstand ergeben, wenn – wie in mehreren Euroländern – nach jeder Zielverfehlung neue zusätzliche restriktive Maßnahmen ergriffen werden.

Literatur

Alesina, Alberto; Ardagna, Silvia (2009): Large Changes in Fiscal Policy: Taxes Versus Spending, NBER Working Paper, 15438.

Almunia, Miguel; Bénétrix, Agustin S.; Eichengreen, Barry; O'Rourke, Kevin H.; Rua, Gisela (2010): From Great Depression to Great Credit Crisis: Similarities, Differences and Lessons. In: Economic Policy 25 (62), S. 219–265.

Auerbach, Alan J.; Gorodnichenko, Yuriy (2012a): Fiscal Multipliers in Recession and Expansion. In: Alberto Alesina und Francesco Giavazzi (Hg.): Fiscal Policy after the Financial Crisis. Chicago: University of Chicago Press (NBER chapters).

Auerbach, Alan J.; Gorodnichenko, Yuriy (2012b): Measuring the Output Responses to Fiscal Policy. In: American Economic Journal: Economic Policy 4 (2), S. 1–27.

Batini, Nicoletta; Callegari, Giovanni; Melina, Giovanni (2012): Successful Austerity in the United States, Europe and Japan (IWF Working Paper, WP/12/190).

Baum, Anja; Koester, Gerrit B. (2011): The impact of fiscal policy on economic activity over the business cycle - evidence from a threshold VAR analysis (Deutsche Bundesbank Discussion Paper Series 1: Economic Studies, 03/2011).

Baum, Anja; Poplawski-Ribeiro, Marcos; Weber, Andrea M. (2012): Fiscal Multipliers and the State of the Economy (IWF Working Paper, WP/12/286).

Boussard, Jocelyn; Castro, Francisco de; Salto, Matteo (2012): Fiscal Multipliers and Public Debt Dynamics in Consolidations (European Commission Economic Papers, 460).

Corsetti, Giancarlo; Meier, Andre; Müller, Gernot J. (2012): What Determines Government Spending Multipliers? (IWF Working Paper, WP/12/150).

Cottarelli, Carlo; Jaramillo, Laura (2012): Walking Hand in Hand: Fiscal Policy and Growth in Advanced Economies (IMF Working Paper, WP/12/137).

DeLong, J. Bradford; Summers, Lawrence H. (2012): Fiscal Policy in a Depressed Economy (Mimeo).

Döpke, Jörg; Fritsche, Ulrich; Siliverstovs, Boriss (2010): Evaluating German Business Cycle Forecasts under an Asymmetric Loss Function. In: OECD Journal: Journal of Business Cycle Measurement and Analysis 2010 (1), S. 1–18.

Dullien, Sebastian (2012): Is new always better than old? On the treatment of fiscal policy in Keynesian models In: Review of Keynesian Economics 1 (1), S. 5–23.

Europäische Kommission (2012a): European Economic Forecast Autumn 2012 (European Economy, 8/2012).

Europäische Kommission (2012b): Report on Public finances in EMU (European Economy, 4/2012).

Fazzari, Steven M.; Morley, James; Panovska, Irina (2012): State-Dependent Effects of Fiscal Policy (Mimeo).

Gechert, Sebastian; Will, Henner (2012): Fiscal Multipliers: A Meta-Regression Analysis (IMK working paper, 97).

Guajardo, Jaime; Leigh, Daniel; Pescatori, Andrea (2011): Expansionary Austerity: New International Evidence (IWF Working Paper, WP/11/158).

Hall, Robert Ernest (2009): By How Much Does GDP Rise if the Government Buys More Output? In: Brookings Papers on Economic Activity 2009 (2), S. 183–249.

Horn, Gustav; Gechert, Sebastian; Herzog-Stein, Alexander; Rietzler, Katja; Stephan, Sabine; Tober, Silke; Watt, Andrew (2013): Inmitten der Krise des Euroraums. Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik 2013 (IMK report, 79).

IWF (2012): World Economic Outlook October 2012.

Mittnik, Stefan; Semmler, Willi (2012): Regime Dependence of the Fiscal Multiplier. In: Journal of Economic Behavior & Organization (forthcoming).

Ramey, Valery A. (2011): Can Government Purchases Stimulate the Economy? In: Journal of Economic Literature 49 (3), S. 673–685.

Semieniuk, Gregor (2012): Still focused on public deficits. Some remarks on the euro area stability programmes 2012-2015. (IMK working paper, 101).

Truger, Achim; Rietzler, Katja; Will, Henner; Zwiener, Rudolf (2010): Alternative Strategien der Budgetkonsolidierung in Österreich nach der Rezession. Gutachten des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung im Auftrag der Arbeiterkammer Wien.


  • 1  Der Beitrag ist kürzlich in ähnlicher Form als Teil des IMK Report 79 (Horn et al. 2013) erschienen.
  • 2  Es herrscht unter Ökonomen mittlerweile ein breiter Konsens darüber, dass der Multiplikatoreffekt positiv ist (Ramey 2011, Truger et al. 2010). Einzelnen Studien, die expansive Effekte von Austeritätsmaßnahmen finden (z.B. Alesina und Ardagna 2009), sind methodische Mängel nachgewiesen worden, die deren Ergebnisse in Richtung niedriger Multiplikatorwerte verzerren (Dullien 2012, Guajardo et al. 2011).
  • 3  In anderen Studien (Europäische Kommission 2012b, Boussard et al. 2012) verweist die Kommission auf eigene Berechnungen zwischen 0,4 und 1,2 für die aktuelle Situation.
  • 4  Man verwendet die prognostizierte, strukturelle Konsolidierung, um eine eventuelle Endogenität, also eine Abhängigkeit einer erklärenden Variable von anderen erklärenden oder der erklärten Variable auszuschließen.
  • 5  Hinter Bestands-Fluss-Anpassungen verbergen sich nicht-defizitwirksame Vorgänge, die den Schuldenstand beeinflussen.

©KOF ETH Zürich, 5. Feb. 2013

 
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Kommentare

Dieser Artikel hat 3 Kommentare.
  • Achtung: Es gibt wichtigere Multiplikatoren

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    Der Rückgang der Staatsausgaben hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die Rezession in Spanien, Italien, Portugal und Griechenland verschärft. Viel entscheidender dürften aber andre Grössen gewesen sein. Am Beispiel Griechenland sieht das so aus: Zwischen 2007 und 2102 sind die Staatsausgaben nominal um 3,3 Milliarden Euro geschrumpft. Gleichzeitig haben sich die Ausgabeüberschüsse (Nettofinanzierungssaldi) der Unternehmen um 11.8 und der (reichen) Haushalte um 9 Milliarden Euro verbessert. Der kontrahierende Effekt des Privatsektors übersteigt somit den des Staates um das neunfache. Schuld daran sind vor allem die Löhne (minus 11,8 Mrd. , real rund ein Drittel) bei den Unternehmen und 1,6 Mrd. Euro (real minus 7%) beim Staat. Die Anpassungsprogramme wirken offensichtlich vor allem über die Löhne und über die sinkende Konsumlust, bzw. den Vertrauensverlust der Konsumenten. Statt immer nur auf die Staatsdefizite (neoliberale Position) bzw. auf die Multiplikatorwirkung der Staatsausgaben (keynesianische Position) zu pochen, sollte man das Augenmerk vermehrt auf die Nettofinanzierungssaldi der Privathaushalte und insbesondere des Unternehmenssektors richten. (Siehe dazu auch meinen Beitrag „Die Mutter aller Finanzkrisen vom 14. März 2011, http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2011/03/die-mutter-aller-finanzkrisen-zu-hohe-unternehmensgewinne/)

    Werner Vontobel

  • Haushaltskonsolidierung in der Liquiditätsfalle ist unsinnig

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    Auch wenn ich eher den langfristigen Trend der Verschuldung zum Maßstab nehmen würde. Aber in dem hier geschilderten Modell sind die langfristig negativen Wirkungen kurzfristig erhöhter Arbeitslosikigkeit noch garnicht enthalten. Wer jetzt arbeitslos ist, dem werden in Zukunft wichtige ggf. wichtige Fähigkeiten fehlen und er wird weniger produktiv sein. Dies ist ein weiterer Grund dafür, warum die fehlgeschlagene Austeritätspolitik gebrandmarkt werden muss. Nur mit katastrophalen Nebenwirkungen werden die peripheren Staaten derzeit ihrer Haushalte konsolidieren können und selbst das ist noch fraglich, den soziale Kohesion und Bankensystem könnten kollabieren:
    http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/austeritatspolitik-bei-einem.html

  • Wenn die Realität nicht so viel komplexer wäre..

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    Ist sie aber leider. Und das Multiplikatormodell stand seit jeher auf Kriegsfuß mit der Realität.

    Haavelmo brachte mit seinem Theorem die Sache ja schon treffend auf den Punkt: jede (saldenneutrale) Ausweitung der Staatsausgaben führt zu einer gleich hohen Ausweitung des BIP. Deshalb ging der Kommunismus wohl auch als Erfolgsmodell in die Geschichte ein.

    Viel grundlegender ist jedoch das Problem, dass in einer geschlossenen Volkwirtschaft ein Budgetdefizit nur durch die Sparquote der privaten Haushalte finanziert werden kann. Diese Restriktion existiert unabhängig der allfälligen Frage eines zinsinduzierten "crowding out".

    Versteht man eine Rezession als Investitionsstau, bei dem die Sparneigung größer als die Investitionsneigung ist, dann mag deficit spending immer noch eine gewisse Sinnhaftigkeit besitzen. Dann könnte so eben diesen (gerade monetär relevanten) Investitionsstau durch die Begebung von Staatsanleihen tendenziell auflösen. Aber was sag ich da, das theoretische Rüstzeug hierfür ist ja noch nicht erfunden..

    Da wir in keiner geschlossenen Volkwirtschaft leben, stellt sich notwendiger Weise die Frage, wie sich die Kapitalflüsse darstellen. Eine griechische Regierung die sich quer durch Europa verschuldet und Statistiken fälscht, konnte sehr erfolgreich Kapital ins Land holen. Wirtschaftliche Prosperität war eine logische Konsequenz, wenn diese auch auf Sand gebaut war.

    Umgekehrt: wenn gespart wird, mehr von der Sparquote für private Investitionen übrig bleibt, wohin geht dieses Kapital dann? Flieht es ins Ausland, weil es einen Grexit inklusive Entwertung des Kapitals fürchtet, oder wird es produktiv im Inland angelegt?

    Und welche produktiven Anlagen rechnen sich in Europa überhaupt noch, wenn China aufgrund seines Wechselkursregimes stets ein günstigerer Produktionsstandort sein wird?

    Und welche Formel will diese Realität abbilden?

    Dann wäre da die Frage nach der Berechnung des BIP. So lange Staatsausgaben großteils pauschal als Wirtschaftsleistung (mangels Preisindex) verbucht werden, sprechen wir hier von qualitativem non-sense.

    All diese relevanten Sachfragen lassen sich nur schwer in pseudo-wissenschaftliche Formeln packen. Damit erführe allerdings auch das eindimensionale und angestrebte Ja/Nein Spiel eine gebührende Entwertung.

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    Autoren

    Sebastian Gechert

    Sebastian Gechert

    Katja Rietzler

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    Schlagworte

    Austerität, Eurokrise, Fiskalmultiplikator, Schuldenstand

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