Unsere Analyse auf Grundlage von Eurobarometerdaten (mit über 500,000 Befragten) ergibt, dass die Unterstützung des Euro in der Bevölkerung der Eurozone in Zeiten der Krise nicht nennenswert gesunken ist. So befürwortet unter anderem die deutsche Bevölkerung den Euro mit einer großen Mehrheit.
Die Unterstützung des Euro in der Eurozone (EZ-12)[ 1 ]
Auf Grundlage der Methodologie von Roth, Jonung, Nowak-Lehmann (2012) wird die öffentliche Unterstützung des Euro unter Zuhilfenahme der Eurobarometer (EB)-Umfragewerte zwischen Herbst 1990 (EB34) und Frühjahr 2012 (EB77) gemessen.[ 2 ] Konkret verwenden wir bei unserer Messung den Prozentsatz der Bürger, die auf die Frage: “Wie stehen Sie zur Europäischen Währungsunion mit einer gemeinsamen Währung, nämlich dem Euro? mit „dafür“ oder „dagegen“ antworteten.[ 3 ] Wir analysieren Nettozahlen (siehe u.a. Gärtner 1997), d.h. den Prozentsatz der Bürger, die für den Euro, minus derer, die gegen ihn sind. Auf diese Weise können wir die Bürgerunterstützung für die gemeinsame europäische Währung über einen 22-jährigen Zeitraum von 1990 bis 2012 (s. Abbildung 1) quantifizieren und analysieren.
Abbildung 1. Durchschnittliche Netto-Unterstützung für die gemeinsame Währung in den EZ-12- Ländern, 1990-2012
Abbildung 1 veranschaulicht, dass
- während der 22-jährigen Zeitperiode eine klare Mehrheit (> 15%) der Bürger in der EZ-12 den Euro immer befürworteten,
- seit der Einführung des Euro als Bargeld am 1. Januar 2002 eine große Mehrheit (> 30%) der EZ-12-Bürger den Euro befürworteten,
- im Frühjahr 2012, im Jahre 4 der Finanz- und Jahre 2 der Staatsschuldenkrise, eine große Mehrheit (33%) der EZ-12-Bürger den Euro befürworteten,
- es während der Finanz- und Staatsschuldenkrise (2008-2012) nur zu einem kleinen Abfall der Bürgerunterstützung für den Euro kam.
Die Unterstützung des Euros in den einzelnen Mitgliedsstaaten
Abbildung 2 konzentriert sich auf die drei größten Eurozonenländer: Deutschland, Frankreich und Italien, sowie Griechenland zum Vergleich.
Abbildung 2: Netto-Unterstützung für die gemeinsame Währung in Deutschland, Frankreich, Italien und Griechenland, 1990-2012
Abbildung 2 zeigt, dass
- im Frühjahr 2012, im Jahre 4 der Finanz- und Jahre 2 der Staatsschuldenkrise, eine große Mehrheit der deutschen (35%), der französischen (41%) und eine klare Mehrheit der italienischen Bürger (20%) den Euro befürworten,
- seit der Einführung des Euros als Bargeld am 1. Januar 2002 immer eine klare Mehrheit der Deutschen Bürger (>20) den Euro befürwortet hat,
- eine gemeinsame Konvergenz in den drei größten Ländern, mit einem klaren Aufholeffekt in Deutschland ab dem Jahre 1993, stattgefunden hat,
- in Griechenland die Unterstützung des Euros im Zuge der Staatsschuldenkrise signifikant angestiegen ist (von 2% im Frühjahr 2008 zu 54% im Frühjahr 2012).
Dazu verhalten sich die Unterstützungstrends außerhalb der Eurozone gegensätzlich. Erstens sind die Unterstützung-Niveaus außerhalb der Eurozone erheblich niedriger und zweitens hat die Staatsschuldenkrise die Bürgerunterstützung für den Euro deutlich unterminiert, hier vor allen Dingen in dem Vereinigten Königreich (mit einem Rekordtief in allen EU-27 Ländern von -65% im Herbst 2011), Schweden, Dänemark und in der Tschechischen Republik (Abbildung 3).
Abbildung 3: Netto-Unterstützung in dem Vereinigten Königreich, in Schweden, Dänemark und in der Tschechischen Republik, 1990-2012
Die Unterstützung des Euro und das Vertrauen in die europäischen Institutionen
Wie verhalten sich diese Ergebnisse zu der Entwicklung des Bürgervertrauens in die Europäische Zentralbank (EZB) und in andere europäische Institutionen?
Tabelle 1: Veränderungen des Netto-Vertrauens in europäische Institutionen im Vergleich zur Netto-Unterstützung für den Euro in der EZ-12, 2008-2012
Anmerkung: Aktualisierte Version von Tabelle 1 (um EB77 - Frühjahr 2012) in Roth et al. (2012). EZB = Europäische Zentralbank; EU = Europäische Union; EP = Europäisches Parlament; EK= Europäische Kommission. Für die Aggregation der 12-EZ-Länder, wurde nach Bevölkerungsgröße gewichtet. Standard EB69 und EB77.
Wie in Tabelle 1 und Abbildung 4 anschaulich dargestellt, ist das Nettovertrauen in die EZB von 29% im Frühjahr 2008 auf -18% im Frühjahr 2012 gefallen, während die Netto-Unterstützung für den Euro im gleichen Zeitraum nur von 40% auf 33% gesunken ist. Ähnlich, aber weniger dramatisch, können ein Netto-Vertrauensverlust in die Europäische Union, das Europäische Parlament, und die Europäische Kommission verzeichnet werden.
Abbildung 4: Netto-Vertrauen in die EZB und Netto-Unterstützung für den Euro, 1999-2012
Fazit
Wie unsere deskriptive Analyse[ 4 ] deutlich macht, hat die Finanz- und Staatsschuldenkrise, welche in Europa im Jahre 2008 begann, die öffentliche Unterstützung für den Euro in der Eurozone nicht stark beeinflusst. Sogar in Zeiten der Krise, bleibt die Unterstützung für den Euro innerhalb der Eurozone auf hohem Niveau. Die Bürgerunterstützung für den Euro wird auch durch die Tatsache deutlich, dass über die zwei Jahrzehnte, welche unsere Analyse abdeckt, der Euro durch eine Mehrheit der Bürger der EZ-12 befürwortet wurde. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zum dramatischen Abfall des öffentlichen Vertrauens in die europäischen Institutionen, vor allen Dingen in die EZB.
Außerhalb der Eurozone ist die Unterstützung des Euros stark gefallen. Die Krise wird außerhalb der Eurozone als Beweis dafür verwendet, dass eine tiefere Europäische Währungsunion keine Zukunftsoption darstellt.
Die europäische Gemeinschaftswährung, der Euro, hat bis jetzt, eine erstaunliche, weitreichende Unterstützung im Verlauf der Krise verzeichnen können. Die Bürger innerhalb der Eurozone wollen trotz jahrelang anhaltender Krise den Euro weiterhin als ihre Währung beibehalten. Sie sind aber kritisch gegenüber den Krisenmaßnahmen der EZB.
Literatur
Banducci, S.A., Karp, J.A., Loedel, P.H. (2003), The euro, economic interests and multi-level governance: Examining support for the common currency, European Journal of Political Research, Vol. 42, pp. 685-703.
Banducci, S.A., Karp, J.A., Loedel, P.H. (2009), Economic interests and public support for the euro, Journal of European Public Policy, Vol. 16, pp. 564-581.
Gärtner, M. (1997), Who wants the Euro - and why? Economic explanations of public attitudes towards a single European currency, Public Choice, Vol. 93, pp. 487-510.
Jones, E. (2009), Output Legitimacy and the Global Financial Crisis: Perceptions Matter. Journal of Common Market Studies, Vol. 47, pp. 1085-1105.
Kaltenthaler, K., Anderson, C. (2001), Europeans and their money: Explaining public support for the common European currency, European Journal of Political Research, Vol. 40, pp. 139-170.
Roth, F., Gros, D. and F. Nowak-Lehmann (2011), Has the financial crisis eroded citizens’ trust in the European Central Bank? – Panel Data Evidence for the Euro Area, 1999-2011, CEGE Discussion Papers 124, University of Göttingen.
Roth, F., Jonung, L. and F. Nowak-Lehmann (2012), Public Support for the Single European Currency, the Euro, 1990 to 2011. Does the Financial Crisis matter?, Working Paper 2012:20, Department of Economics, University of Lund.
- 1 Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien
- 2 Eine detaillierte Beschreibung der verschiedenen verwendeten Datenquellen von EB34 bis EB77 ist in Roth et al. (2012) zu finden.
- 3 In der 22-jährigen Zeitperiode, wurde die Fragestellung über die Zeit leicht verändert. Für eine detaillierte Diskussion dieser Veränderungen siehe Roth et al. 2012. Die Messung öffentlicher Unterstützung in den Euro stimmt mit der bestehenden Literatur im Forschungsgebiet überein (siehe z.B. Kaltenthaler und Anderson, 2001; Banducci et al., 2003, 2009).
- 4 Für die Ergebnisse der ökonometrischen Analyse siehe Roth et al (2012).
©KOF ETH Zürich, 9. Okt. 2012
