Wie die Uni-Ökonomen versagen – die Theorie der Prostitution als Mahnmal

24758 mal gelesen | 37 Kommentare

Mathias Binswanger, 19. Jan. 2012
Wie die Uni-Ökonomen versagen – die Theorie der Prostitution als Mahnmal 4.12 5 114

Vor kurzem ist hier ein Beitrag von Rüdiger Bachmann unter dem Titel "Haben die Uni-Ökonomen versagt?" erschienen. In dem Artikel sollte aufgezeigt werden, welch tolle Arbeit Ökonomen heute leisten und wie ungerechtfertigt Angriffe auf die Mainstreamökonomie seien. Dieses sich selbst auf die Schulter klopfen war offenbar notwendig, da sich die ökonomische Wissenschaft in letzter Zeit vor allem in Zusammenhang mit der letzten Finanzkrise Angriffen ausgesetzt sah, sie würde die heutige Realität der Finanzmärkte in ihren Modellen ignorieren und von realitätsfremden Annahmen ausgehen.

Gemäss Rüdiger Bachmann sind die Kritiker einfach Ignoranten, die nichts von Ökonomie verstehen, da sie nicht über das nötige Rüstzeug verfügen, um die Krisenphänomene exakt zu beschreiben. Ausgebildeten Ökonomen, die es wagen, Kritik an ihrer Wissenschaft vorzubringen wagen, werden hingegen als unterdrückte Privatdozenten diffamiert. Und wer die Annahme des Homo Oeconomicus kritisiert (Psychologische Kritik an der Ökonomie) behauptet damit laut Bachmann automatisch "Menschen sind alle dumm und irrational". Entspricht ein solcher Umgang mit Kritikern einem dynamischen, offenen und flexiblen Wissenssystem, als welches Bachmann die moderne VWL empfindet?

Besonders eigenartig wird die Argumentation jedoch, wenn Bachmann seinem Kollegen Thomas Straubhaar vorwirft, dieser hätte sich darüber verwundert, dass "mikroökonomisches Gewinnstreben zum makroökonomischen Untergang führen könne". Dass dies möglich sei, wisse die moderne VWL nämlich schon längst, denn schliesslich gäbe es in bestimmten Modellen Nashgleichgewichte oder multiple Gleichgewichte. Dieses Argument ist etwa so stichhaltig, wie wenn man behaupten würde, dass es irrelevant sei, wenn jemand an den Nebenwirkungen eines Medikaments erkrankt, denn diese Nebenwirkungen seien alle schon in der Packungsbeilage beschrieben worden. Doch was interessiert schon die Realität, wenn man hypothetische Gleichgewichtsmodellwelten kreieren kann, um dann mit diesen herumzuspielen. Denn wer das am besten kann, der gilt heute als „grosser Ökonom“ und darf in den angesehensten Fachzeitschriften publizieren.

Das folgende Beispiel möge illustrieren, wie banale und unsinnige Ideen zu Publikationen in Topjournals führen, wenn sie nur in einem formalen Gleichgewichtsmodell dargestellt werden. Im Jahre 2002 erschien im Journal of Political Economy ein Artikel mit dem vielversprechenden Titel "A Theory of Prostitution". Zwei Ökonominnen, Lena Edlund und Evelyn Korn beschäftigen sich darin mit einem "hochinteressanten" Phänomen: Prostitution ist eine Tätigkeit, die keine Ausbildung braucht, arbeitsintensiv ist und hauptsächlich von Frauen durchgeführt wird. Und trotzdem, und jetzt kommt das Rätsel, sind Prostituierte im Durchschnitt gut bezahlt. Wie kann das sein? Als Laie würde man naiv vermuten, dass attraktive und gleichzeitig sexbereite junge Frauen relativ knapp sind, und sich deshalb ein relativ hoher Preis bildet.

Der Preis der Prostitution...

Aber das Naheliegende ist natürlich viel zu einfach. Die "Freude am Sex mit einer jungen Frau" als Hauptmotiv für die Nachfrage kommt im Artikel gar nicht vor. Stattdessen zerbrechen sich die Autorinnen den Kopf, warum verheiratete Männer zu Prostituierten gehen, obwohl sie Sex doch billig zu Hause haben könnten. Um das eigenartig zu finden, muss man sich schon sehr weit vom realen Leben entfernt haben, was in einem akademischen Umfeld aber leicht möglich ist.

Zwar vermuten die Autorinnen, dass die Freude an Vielfalt der Sexpartnerinnen bei Männern stärker ausgeprägt ist als bei Frauen. Und es könnte auch sein, die Autorinnen sind sich da nicht sicher, dass Sex mit einer älteren Frau weniger Freude macht als mit einer jüngeren Frau (S. 186). Doch all das ist für Edlund und Korn nicht weiter von Belang. Die Autorinnen haben nämlich eine eigene "brillante" Idee, die das Rätsel der relativ hohen Löhne von Prostituierten "löst": Frauen können nicht gleichzeitig Ehefrau und Prostituierte sein. Wenn also eine Frau als Prostituierte arbeitet, dann vermindert sie damit ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt und muss entsprechend mit einem hohen Lohn für diese entgangenen Möglichkeiten kompensiert werden. Das ist in einem Satz die "geniale" Idee, die einen langen Artikel in einem Topjournal rechtfertigt.

Die beiden Autorinnen blasen ihre banale Erkenntnis nun zu einem hochformalen Modell mit 14 mathematischen Gleichungen auf, dessen Darstellung 19 Seiten in Anspruch nimmt, und wo unter vollkommen realitätsfremden Annahmen ein Sexmarkt-Gleichgewicht hergeleitet wird (Gleichung 3, S. 194). Aber Realitätsnähe ist kein entscheidendes Kriterium für eine Publikation in einem ökonomischen Topjournal. Was zählt, ist die Präsentation eines komplizierten formalen Modells.

…und seine Folgen

Doch damit ist des Unsinns noch nicht genug. Jungwissenschaftler stürzten sich in der Folge eifrig auf dieses faszinierende und interessante Thema und es entstand eine Reihe von Folgeartikeln. Da bisher kaum jemand zu diesem Thema in der Ökonomie publiziert hatte, konnten sie davon ausgehen, dass zumindest eine der beiden Autorinnen als Gutachterin für ihren Artikel angefragt würde, und so versuchten sie die Autorinnen Edlund und Korn durch überschwängliches Lob günstig zu stimmen (strategisches Zitieren). Auch das ist Prostitution, aber diesmal handelt es sich um die von Frey (2003) beschriebene akademische Prostitution, bei der Autoren alles tun, um für ihre möglichen Gutachter sexy zu erscheinen. So schreiben etwa die beiden Autoren Arunachalam und Shah (2008) gleich in der Einleitung (weiter lesen viele Gutachter gar nicht) von einem bahnbrechenden Artikel mit einer hochoriginellen Erklärung. Und dieser kleine Akt der "Prostitution" hat sich für Arunachalam und Shah auch gelohnt. Ihr Paper wurde von den GutachterInnen offensichtlich positiv beurteilt und erschien 2008 in der American Economic Review, einer anderen ökonomischen Topzeitschrift.

Die Zeichen der Dekadenz

Als kleine Ehrenrettung der ökonomischen Wissenschaft muss man zwar erwähnen, dass es auch einige kritische Reaktionen auf den Artikel gab, aber diese betrafen immer nur einzelne Annahmen und nie den gesamten Artikel und dessen Modell. Was im Journal of Political Economy veröffentlicht wird, gilt schliesslich als Toppublikation mit einem hohen Impact Faktor. Und das darf per Definition kein Unsinn sein, auch wenn es, wie in unserem Beispiel, offensichtlicher Unsinn ist. Doch wer jahrelang zum Fachidioten ausgebildet wird und sich ständig unter anderen Fachidioten bewegt, kann das irgendwann nicht mehr erkennen.

Dieses Beispiel ist nun absolut kein Sonderfall, sondern zeigt besonders exemplarisch auf, wo das Problem liegt. Was zählt, ist die formale Darstellung eines Modells und nicht dessen Inhalt. In der heutigen Ökonomie hat man sich in vielen Fällen so weit von der Realität entfernt, dass es gar keine Rolle mehr spielt, was als Resultat herauskommt. In vielen Artikeln könnte auch das Gegenteil des dort präsentierten Resultates "bewiesen" werden, und es würde gar nichts ändern. Das Resultat ist nämlich so oder so irrelevant. Eine Wissenschaft, in der das möglich ist, hat aber keinen Grund sich selbst zu beweihräuchern, denn sie ist in einem hochgradig dekadenten Zustand. Zum Glück gibt es aber Hoffnungsschimmer in Form von neuen Ansätzen, bei denen tatsächlich wieder geschaut wird, wie sich Menschen und Organisationen in der Realität verhalten.

Literatur

Arunachalam, R. und M. Shah (2008). Prostitutes and brides? American Economic Review, Papers and Proceedings, 98(2), 516–522.

Edlund. L. und E. Korn (2002). A theory of prostitution. Journal of Political Economy, 110 (1):181–214.

Frey, B. S. (2003). Publishing as prostitution? - Choosing between one's own ideas and academic success. Public Choice 116, 205-223.

©KOF ETH Zürich, 19. Jan. 2012

 
Wie die Uni-Ökonomen versagen – die Theorie der Prostitution als Mahnmal 4.12 5 114

Kommentare

Dieser Artikel hat 37 Kommentare.
  • Elfenbeinturm extrem

    [ ]

    Angebot und Nachfrage vergessen. Wie krass. Sich lange Gedanken über Nebeneffekte und die Nebeneffekte der Nebeneffekte machen, aber den naheliegendsten und wichtigsten Zusammenhang ignorieren. Uh.

    • AW:Elfenbeinturm extrem

      [ ]

      Mit Angebot und Nachfrage alleine kann man nicht erklären, warum das Angebot bei einem gegebenen Preis so ist wie es ist.
      Dazu MUSS man zwangsläufig mit Opportunitätskosten argumentieren.
      Ob es jedoch sinnvoll ist, die Opportunitätskosten in der verpassten Ehe zu sehen, ist natürlich eine andere Frage. Ich kenne das Paper nicht.

      Ich finde diesen Artikel jedoch nicht besonders gelungen. Ich promoviere zurzeit in der Informatik, und kann sagen, dass hier viele wissenschaftliche Veröffentlichungen ebenfalls nur aus weltfremden intellektuellen Gedankenspielen bestehen. In den meisten anderen Wissenschaften wird es nicht anders sein.
      Ich sehe es daher nicht als gerechtfertigt, speziell die VWL hier so anzuprangern.

  • Bitte genau lesen!

    [ ]

    Oh boy, wo soll ich anfangen?

    "In dem Artikel sollte aufgezeigt werden, welch tolle Arbeit Ökonomen heute leisten und wie ungerechtfertigt Angriffe auf die Mainstreamökonomie seien."

    Wo denn? Mein Artikel hatte einen ganz klaren Hauptaddressat: Studenten der VWL, und als solche waren sie angesprochen. Und als solche sind sie aufgefordert die cutting-edge Sprache ihres Faches zu lernen und zu sprechen, bevor sie im wissenschaftlichen Diskurs mitreden wollen. Ich finde es schade und eine Verdummung in der Gespraechskultur, dass man diesen geradezu trivialen Sachverhalt ueberhaupt betonen muss (wie gesagt, das gibt es nur in der VWL). Es ging in dem Artikel auch an keiner Stelle um eine pauschale Zurueckweisung von Kritikern an der VWL. Auch wurde in dem Artikel ausdruecklich von einem Nostra Culpa gesprochen und zur Bescheidenheit gemahnt. Es sind doch typischerweise die Vertreter der sogenannten Heterodoxien, die es schon immer ganz genau wissen. Ich gebe es zu, dass ich es nicht weiss, bezweifle aber, dass es die "Heterodoxien" besser wissen.

    Wieso diffamiert man Privatdozenten wenn man sie als unterdrueckt bezeichnet? Ich dachte das waere die typische Klage aus der Privatdozentencommunity? Vielleicht habe ich da was missverstanden. Wenn man mal genau zwischen den Zeilen liest, kritisiert der Artikel am Rande auch das deutsche System der Ausbeutung des wissenschaftlichen Personals unterhalb der Professorenebene (laengeres Privatdozententum ist in aller Regel Ausbeutung). Aber Ironie ist nicht jedermanns Sache.

    Auch die Straubhaar-Passage wurden von Ihnen, lieber Herr Binswanger, voellig aus dem Zusammenhang gerissen. Ich finde, man darf sich legitimerweise darueber aufregen, dass ein in der Vergangenheit eher marktfreundlicher Oekonom sich ploetzlich als vom Saulus zum Paulus gewandelt darstellt und Erkenntnisse als neu und aufregend formuliert, die etwas weniger ideologischen Oekonomen schon sehr lange bekannt sind. Aber ich verstehe natuerlich, dass Sie sich, lieber Herr Binswanger, lieber ueber jedes verlorene und zurueckkehrende Schaf in der Herde der Heterodoxen freuen (Achtung, Sarkasmus).

    Zum JPE Artikel: geschenkt. Braucht kein Mensch. Jeder, der ein bisschen die profession kennt, weiss aber, dass das JPE von den Freakonomics Leuten z.T. gekapert wurde. Das muss man ganz gelassen sehen. Es gibt ohnehin diese perverse Faszination mit den Top 5 in Deutschland (Schweiz?), und zwar sowohl von den Juengern als auch von den Kritikern. Natuerlich steht in den Top 5 jede Menge Schrott. What else is new? Mozart hat auch viel Unterdurchschnittliches geschrieben. Wer z.B. in Berufungskommissionen glaubt, er muesse keine Papiere mehr lesen und nur Handelsblattpunkte zaehlen, naja, wie naiv kann man eigentlich sein?

    Mit freundlichen Gruessen

    Ihr Ruediger Bachmann

    • AW: Bitte genau lesen!

      [ ]

      In meinem Blog schreibe ich unter http://wirtschaftsphilosoph.wordpress.com/2012/01/22/habe-genau-gelesen-herr-bachmann/ "Habe genau gelesen, Herr Bachmann". Hier der erste inhaltliche Absatz (zum ersten entsprechenden hier):

      Gerade für einen Volkswirt ist es lustig, andere aufzufordern, was sie zu wollen haben. Was „die cutting-edge Sprache“ (das scheint selbst ein Ausdruck aus ihr zu sein) angeht, so steht doch genau diese zur Diskussion. Wenn es nur um eine reale Wirtschaftskrise ginge und die Wirtschaftswissenschaft keine Krise hätte, sondern klare und eindeutig richtige Lösungen anbieten könnte, dann sollten jetzt möglichst viele dieses Fach ‘einfach’ studieren, statt darüber zu diskutieren (obwohl das wohl immer Teil eines akademischen Studiums ist). Da jedoch das Fach selbst Probleme hat, muss man auch (natürlich nicht nur, schließlich gibt es weiterhin die reale Wirtschaftskrise, die real viel wichtiger und schlimmer ist) über dessen Inhalte, Methoden und Sprache diskutieren. Von dieser Diskussion sind auch Laien und Studenten nicht ausgeschlossen, zumal sie einen weniger vorbelasteten Blick haben (dafür aber natürlich auch weniger fachliche Kenntnisse und Erfahrungen).

  • Dieser Kommentar wurde gelöscht.
  • Der Mainstream hat es einfacher

    [ ]

    Es geht vielleicht nicht nur darum, dass in den Top 5 jede Menge Schrott steht. Es geht auch darum, welche Art Schrott da steht. Wer Schrott schreibt, hat es als Mainstream-Ökonom einfacher. Ich habe mal für meinen Blogartikel Zum Versagen der Uni-Ökonomen http://www.wirtschaftswurm.net/2012/zum-versagen-der-uni-oekonomen nachgezählt. Von den letzten 13 hauptsächlich theoretisch orientierten Hauptartikeln in der AER behandelten 12 Variationen neoklassicher Modelle.

  • So what?

    [ ]

    Und die 12 Artikel sind alle Schrott?

  • Kein Titel

    [ ]

    "[...]Die Überprüfung der Wissenschaftlichkeit eines Forschungsprozesses erfolgt im Rahmen der internationalen Diskussion auf Workshops, Tagungen und Kongressen und durch die systematische Kritik durch die Fachkollegenschaft[...]"

    Das ist ein Auszug aus einer Definition von "Wissenschaft" des Instituts für Geschichte der Uni Wien.

    So lieber Herr Bachmann wenn nun alles supitutti ist mit der Ökonomik, dann erklären Sie doch mal bitte wie diesem Anspruch gerecht werden soll wenn sich 90% der Forschung auf eine(!) Theoretische Grundlage bezieht? Woher soll denn angemessene Kritik an neoklassischen Modellen kommen wenn fast alle ÖkonomInnen an den Universitäten NeoklassikerInnen und Anhängsel (neu keynsianismus etc.) sind?
    Momentan stecken wir in einem sich selbst reproduzierendem System, in dem Modelltraumweltansätze als einzig gültige Forschung akzeptiert werden und das ist absolut unwissenschaftlich!
    In anderen wissenschaftlichen Disziplinen, wie zum Beispiel der Physik, ist es absoluter Standard dass es mehrere Theorien gibt die sich zum Teil auch selbst wiedersprechen und welche die Studierenden schon im Bachelor lernen.

    Was hier gefordert wird ist in mienen Augen nicht die Neoklassik abszuschaffen, sondern Raum zu schaffen für andere Theorien. Dies ist dringend notwendig, damit unsere Wissenschaft Wissenschaft sein kann und Kritik und Falsifizierung im wissenschaftlichen DIskurs möglich sind.

    Ich hoffe dass Sie von Ihrem hohen Ross absteigen und mit in den Diskurs um eine Neuausrichtung der VWL einsteigen.

    Mit freundlichem Gruß,
    Jakob

  • Kein Titel

    [ ]

    Da widersprechen Sie sich ja selbst. Der von Ihnen zitierten Definition gemaess (mir ist zwar nicht ganz klar, warum das Institut fuer Geschichte der Uni Wien da eine Deutungshoheit haben sollte, aber nehmen wir sie mal) machen die sogenannten Neoklassiker genau das: sie treffen sich auf Workshops, Tagungen und Kongressen und fetzen sich heftig ueber ihre Arbeiten. Ergo: Neoklassik = Wissenschaft nach Ihrer Definition.

    Nein, das Problem ist etwas ganz anderes: die meisten Heterodoxien reden immer nur ueber VWL, statt VWL zu machen. Das ist auf Dauer einfach langweilig. Es gibt ganz konkrete Fragen zu beantworten: wie gross ist der Fiskalmultiplikator und von welchen Situationen haengt das ab? Welche Rolle spielt Vertrauen in die Wirtschaftspolitik fuer den Konjunkturzyklus und wie kann man das messen? Welche Rolle spielt asymmetrische Information in Finanzkrisen, und zwar quantitativ? Das ist es, was mich und meine Kollegen auf dem hohen Ross interessiert. Helfen Sie uns bei der Beantwortung dieser Fragen mit innovativen Ideen und ich garantiere Ihnen, dass Sie Gehoer finden werden. Immer nur ueber Fachgrundlagen zu diskutieren, ist mal ganz nett, auf die Dauer aber langweilig und unproduktiv, wenn die Welt um uns herum zusammenbricht. Also, machen, nicht reden.

    • @rudib

      [ ]

      Welche Rolle spielt Vertrauen in die Wirtschaftspolitik fuer den Konjunkturzyklus und wie kann man das messen?

      Messen Sie es denn? Wie wollen Sie eine einheitliche Definition des Begriffes Vertrauen gewinnen, die von allen Marktteilnehmer geteilt wird. Gibt es eine Norm für Vertrauen, gar Grenzwerte für Vertrauen? Das ist keine Temperatur, das ist kein Gewicht, das ist keine Länge. Diese Größen kann man normieren. Vertrauen ist auch nicht etwas Statisches, das ist eher so etwas Fluides. Wenn Sie ein Äquivalent für das Vertrauen der Marktteilnehmer suchen, dann denken Sie am besten an ein Temperatur- und Strömungsfeld. Rot für hohes Vertrauen UND Leichtgläubigkeit, blau für gar kein Vertrauen, für Mißtrauen. Interessant wird dann der Umschlag des Vertrauensfeldes in ein Mißtrauensfeld. Wenn dann die Temperatur sinkt, kann das Mißtrauen vielleicht sogar noch Erstarren. So richtig fest werden. Dann schottet man sich ab, igelt sich und seinen Markt ein. Dann wird es unangenehm und sie müssen das Mißtrauen wieder aufschmelzen. Damit sich erst die Marktteilnehmer, dann die Märkte wieder öffnen.

      Sie sind an der RWTH? Das ist gut. Da finden Sie auch die Fachleute für das Fluide, die Felder und wenn es ganz schlimm kommt, auch für das Erstarren.

      Wirtschaftspolitik wird von Menschen und Institutionen gemacht. Auf die Wirtschaftspolitik reagieren Menschen und Institutionen. Ich fürchte, da werden Sie die handelnden Menschen auch ganz konventionell fragen müssen. Kann sich ein Volkswirt nur darauf verlassen, was er an Zahlen bekommen kann und diese dann auswerten? Enthalten die Zahlen alle relevanten Informationen?

      Die Kommentarfunktion ist sehr verbesserungswürdig

      • AW:@rudib

        [ ]

        Ja, wir versuchen es. Ich verwende Surveydaten in einigen meiner Papiere. Wir fragen die Leute.

        Aber, und da stimme ich Ihnen zu: wir muessten es noch viel mehr tun. Ich halte Surveydaten fuer eines der spannendsten Gebiete in der Zukunft. Ich arbeite als externer Forschungsprofessor am Ifo daran, die Surveydaten auszubauen. Nur das kostet Geld, viel Geld. Also, da koennten die Kritiker mal konstruktiv mithelfen. So Organisationen wie New Economic Thinking mit viel Geld in der Tasche koennte neue Surveydatenprojekte finanzieren. So kommen wir weiter, nicht indem wir staendig diskutieren, wie VWL im Trockenen zu funktionieren hat.

        • AW:AW:@rudib

          [ ]

          Sie weichen mir aus.

          In unsere Technologie haben wir sehr davon profitiert, dass wir Wissen aus verwandten Sachgebieten adaptieren. In meinem Extremfall, meiner zweiten technologischen Arbeit, habe ich aus Mark Twain "Durch dick und dünn" zitiert und als Modellversuch das Köcheln von Reis empfohlen. Mark Twain hatte beobachtet, was keiner sonst beobachten konnte und der köchelnde Reis war die preiswerteste Analogie. In beiden Fällen war es das Phänomen, das bei den erstarrenden Stahlblöcken zu gravierenden Qualitätsproblemen führte.

          In meinem vorherigen Kommentar habe ich Sie auf die Fluiddynamik und die Mehrphasigkeit hingewiesen. Ich denke, das Vertrauen des Marktes ist ein Fluid mit im Augenblick sehr niedriger Temperatur und geringer Strömung. Das kann zu Mißtrauen erstarren.

          Ich will jetzt ein anderes Vorbild für einen Begriff nennen, denn Sie in Ihrer Wissenschaft ebenfalls sehr häufig verwenden. Das ist der Begriff

          sich selbst regulierender Markt:

          Ich glaube, das muss eigentlich der sich selbst überlassene Finanzmarkt heissen. Vor dem erfolgreichen Jahr 2008 war man in den USA bestrebt, staatliche Regulierungen des Finanzmarktes abzubauen. Als Argument wurde genannt, dass nur so ein sich selbst regulierender Finanzmarkt fern des Staates entstehen kann.

          Der Wegfall der staatlichen Regulierungen führte aber nur zu einem sich selbst überlassenen Finanzmarkt. Das ist kein sich selbst regulierender Finanzmarkt. Das hat man vielleicht übersehen. Passiert. Wir sind alles nur Menschen und keine Engel.

          Nun gibt es hervorragende Beispiele von sich selbst regulierenden Systemen. Zur Zeit laufen auf diesem Planeten mehr als 7 Milliarden Beispiele herum. Die sind nicht nur sich selbst überlassen, Stichwort Eigenverantwortung, nein, sie sind auch noch sich selbst regulierend.

          Wie machen die das? Diese Systeme, man nennt sie Menschen, sind doch vielfältigen Gefahren ausgesetzt. In der Nahrung kann es blinde Passagiere oder Fremdstoffe geben. Selbst das Einatmen irgendwelcher Flugobjekte kann zum Problem werden. Dann sind sie auch noch in vielfältigster Form besiedelt. Gefahren über Gefahren. Von wegen, der Mensch an sich wäre risikoscheu.

          So wie der Mensch ist auch der Markt vielen Gefahren ausgesetzt. Er ist ja ein offenes System und nicht alle Marktteilnehmer handeln so, dass der Markt stabil bleibt.

          Trotzdem, trotz dieser vielfältigen Gefahren, funktioniert die Selbstregulation im Körper der Menschen, zumindest in unseren Breiten, recht gut.

          Viele Menschen bleiben gesund bis in ein erstaunlich hohes Alter.

          Das scheint irgendwie mit ihrem Immunsystem zusammenzuhängen. Es kümmert sich vor allem um die Gefahren, die im Körper so kreuchen und fleuchen und nicht überhand nehmen dürfen. Manchmal irrt es sich dabei und weiss nicht mehr, wer zu Familie gehört. Es muss halt auch trainiert
          werden. Dann wäre da noch die Unterabteilung der Leber, die sich um die Fremdstoffe kümmert. Das ist so etwas wie die BadBank im Finanzsystem. Schließlich die ganz alltägliche Regulation,die sich um einige Werte kümmert, die aus irgendwelchen Gründen wichtig sind.

          Zu guter letzt, nicht zu vergessen, das Nervensystem

          Perfekte Arbeitsteilung eben. Ganz wie in der Ökonomie.

          Nun kommen wir wieder zurück zu dem sich selbst überlassenen Finanzmarkt, der irrtümlich annahm, das er schon ein sich selbst regulierender Markt sei.

          Aber wie soll das funktionieren?

          Ohne Immunsystem?

          Wenigstens das Nervensystem scheint er zu besitzen

          Also ich verstehe das nicht. Wir haben doch in den Finanzmärkten in Grundzügen das Gegenspielerprinzip verwirklicht.

          Wir haben die Agonisten. Das sind die Bullen.

          Auf der anderen Seite die Antagonisten. Das sind die Bären.

          Das Gegenspielerprinzip ist schon mal der erste Schritt zum sich selbst regulierenden Markt. Ganz wichtig. Nach dem Gegenspielerprinzip funktioniert auch der Körper der Menschen. Ihre Muskeln, ihre Nerven. Auch die Selbstregulationen, die einige anderen Körperfunktionen regeln. Agonisten und Antagonisten.

          Es ist die Aufgabe der Antagonisten, die Agonisten zu bremsen, wenn sie ein bißchen zu sehr erregt sind. Das passiert. Im jugendlichen Überschwang.

          Es gibt natürlich auch eine Übererregung des Körper der Menschen, wo das mit dem Gegenspielerprinzip nicht so ganz gut funktioniert. Nicht bei jedem, aber doch bei einigen Menschen Dann krampft der ganze Körper. Das ist bedrückend, wenn es ein Familienmitglied ist und man völlig hilflos ist. Das sind Minuten,
          die man nicht vergisst

          Ist so eine Blase der Vermögenspreise oder der Immobilienmärkte etwa ein Krampf des Finanzmarktes?

          Eine Übererregung ist es auf jeden Fall.

          Das wäre ja nicht gesund

          Wer behauptet, der Finanzmarkt ist sich selbst regulierend, weiss nicht, das er nur sich selbst überlassen ist.

          Das war meine Botschaft an Sie

          Nutzen Sie sie

          • lol

            [ ]

            • AW:lol

              [ ]

              > LOL

              Das ist nun wirklich ein Grund für ein verzeihendes Lächeln.

              Inzwischen betrachten Volkswirte doch alles durch die Brille ihrer Wissenschaft. Selbst dort, wo ihr Wissen nun wirklich nicht ausreicht, mühen sie sich mit meisterlichen Ergebnissen. Wie bei der Prostitution und dem Selbstmord. Ja, wirklich bemerkenswert, was so herausgefunden wurde. Andere Erklärungen sind ja gar nicht denkbar. Was lernen wir beim Blick mit der VWL Brille auf die Prostitution und den Selbstmord? Mehr über das Denken der Verfasser hinter der VWL Brille als über die Prostitution und der Selbstmord. Ehrlich gesagt muss man sich bei der Veröffentlichung über den Selbstmord fragen, ob die ehrenwerten Herren. Aber das ist ja völlig ausgeschlossen.

              Ausgerechnet da, wo ihre Wissen gar nicht so schlecht geeignet ist, um ein SYSTEM zu verstehen UND von ihm zu lernen, bei dem sich selbst regulierenden Markt menschlicher Körper, geruhen Herr Professor in Gelächter auszubrechen.

              Das diese Analogie Grenzen hat, ist mir noch gar nicht aufgefallen [/ironie] Welche mögen das sein?

              Dieser Markt hat einen ganz entscheidenden Vorteil.

              Die Selbstregulation funktioniert.

              Selbst dann, wenn sie erhebliche, ja drastische Störungen bewältigen muss.

              Schon um zu verstehen, wie das gelingt, lohnt sich die Beschäftigung mit diesem Markt.

              Dem Finanzmarkt gelingt trotz des Gegenspielerprinzip nicht die Selbstregulation.

              Das scheint noch nicht so richtig auszureichen, um zu einem sich selbst regulierenden Finanzmarkt zu reifen.

              Was mag da bloss fehlen?

              Interessiert Sie das nicht?

  • @rudib

    [ ]

    Ob die 12 Artikel Schrott sind, habe ich nicht überprüft, kann ich auch nicht in jedem Fall beurteilen. Es wäre allerdings die logische Schlussfolgerung aus IHRER Aussage, dass in den sogenannten Top 5 jede Menge Schrott steht.

  • Kein Titel

    [ ]

    Nee, heisst es nicht. Lesen, dann urteilen. Gerade das AER hat in den letzten Jahren super editoren gehabt. Der Punkt war einfach, dass Sie viele mainstream Oekonomen finden werden, denen der Prostituiertenartikel auch nicht gefallen wird. So what? Genauso wenig beweist es irgend was, das 12 Artikel "neoklassisch gepraegt" sind. Was heisst das? Ich bleibe dabei: reale Fragen beantworten und besser machen als die Neoklassiker, das sind "the rules of the game".

    Uebrigens: ist noch keinem aufgefallen, dass eine Publikation in den AER P&P keine Top Publikation ist, das ist eben nicht das AER. Etwas peinlicher Fehler des Herrn Binswanger.

  • @rudib

    [ ]

    Meine kleine Statistik ist erst einmal nur ein Beleg für das was ich auch unter http://www.wirtschaftswurm.net/2012/zum-versagen-der-uni-oekonomen/ beschrieben habe, nämlich, dass es eine gewisse Monokultur gibt. Zur Qualität habe ich erst einmal nichts gesagt. Nachdem aber nun schon seit - sagen wir mal 30 Jahren - fast ausschließlich am neoklassischen Paradigma geforscht wird, ist es nur natürlich, dass diese Forschung inzwischen sehr ausgereift ist. Das heißt aber nicht, dass dieses Paradigma auch jetzt noch fruchtbar ist, um bessere Erklärungen zu finden. Und wenn man nicht weiter kommt, muss man oftmals erst einen Schritt zurückgehen, um dann auf neuem Wege mehr zu erreichen.

  • "neoklassisches Paradigma"

    [ ]

    Was soll denn das bitte sein ? Eine Modellklasse, die eine idealisierte Modellwelt ohne Friktionen analysiert ?

    So etwas wird doch heutzutage höchstens noch im Grundstudium gelehrt und auch in der Forschung sind wir doch viel weiter.

    Interessant sind Friktionen aller Art, behavioral frictions, financial frictions, search- and matching frictions, informational frictions, political economy frictions ...

    Diese Analyse dieser "Defizite" der grundlegenden Modelle bilden den Hauptstudiumsstoff in der Lehre und die Fragestellungen moderner Forschungsarbeiten.

    Desweiteren schließe ich mich R Bachmann an: wer Methoden jenseits der zurzeit verwendeten hat um konkrete wissenschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten: bring it on!

    Aber bitte halbwegs konsistent und falsifizierbar. Erfahrungsgemäß brechen spätestens bei diesen Anforderungen alle heterodoxen Ansätze sofort zusammen, auch deshalb, weil alle vielversprechenden Analyseverfahren längst im sogenannten "Mainstream" (den es nicht gibt, da die Volkswirtschaftslehre eine riesige methodische und thematische Vielfalt bietet) aufgegangen sind.

  • @mata_web

    [ ]

    Meine Arbeitsdefinition des "neoklassischen Paradigmas" beinhaltet die Analyse von Optimierungsverhalten und von Gleichgewichtszuständen. Friktionen werden als Nebenbedingung eingebaut.

  • Ähnliches Schicksal

    [ ]

    http://earthpro.info/

    zumindest sind wir nicht die einzigen, die derartigen Anschuldigungen ausgesetzt sind.
    Natürlich ist es sehr billig jegliche Kritik an Wissenschaft abzubügeln, aber in meinen Augen ist es schwer derartige Kritik zu akzeptieren/beantworten, solange sie nicht detailliert ist. Aber um detailliert und konstruktiv Kritik üben zu können muss man die Details eben auch verstanden haben und das kann man nur nach einer angemessen Ausbildung, die Jahre dauert.

  • Theorie & Praxis

    [ ]

    Allgemein akzeptierte Bedeutung außerhalb der Uni wird eine Wissenschaft nur haben, wenn sie realitätsbezogene Fragen und Ergebnisse präsentiert. Speziell für politische bedeutsame Fragen ist die Anwendbarkeit das Kriterium.

    Theoretisch kann ich alles mögliche und und unmögliche in den Modellbedingungen unterstellen - Fingerübungen sind auch beim Klavierspielen nicht verkehrt, aber wer will das schon hören?

    Zur breiten Akzeptanz der VWL gehört der "normale Mensch" mit seinen Schwächen und Stärken in rationaler und emotionaler Hinsicht.

  • Oho

    [ ]

    "Theoretisch kann ich alles mögliche und und unmögliche in den Modellbedingungen unterstellen - Fingerübungen sind auch beim Klavierspielen nicht verkehrt, aber wer will das schon hören?"

    Deswegen testet man Modelle bzw deren Ergebnisse ja gegen die Realität, also gegen die Daten. Und wenn die Modelle die Realität nich widerspiegeln wird dies als Notwendigkeit dafür angesehen, weiterzuforschen.

    Die Möglichkeit Modelle gegen Daten zu testen und sie gegebenenfalls zu verwerefen ist ja gerade einer der große Vorteile der mathematischen Modellbildung.

  • Vorteile der mathematischen Modellbildung

    [ ]

    "Die Möglichkeit Modelle gegen Daten zu testen und sie gegebenenfalls zu verwerefen ist ja gerade einer der große Vorteile der mathematischen Modellbildung."

    Das würde ich nicht so sehen. Wie müsste man denn vorgehen, um beispielsweise das gute IS/LM-Modell zu gegen Daten zu testen? Wohlgemerkt, ein Modell einer geschlossenen Volkswirtschaft. Das muss doch in der Folge dazu führen, dass das Modell abgelehnt wird. Warum benutzen wir es dann noch?

    Das gleiche gilt für neuere Modelle, beispielsweise RBC-Modelle oder auch die Woodford-Modelle. Modelle sind immer Abstraktionen und von daher lassen sie sich nicht (im Popperschen Sinne) falsifizieren. Deswegen sollte man ja gerade als Ökonom eine Vielfalt von Modellen - das sog. Handwerkszeug - kennen und lernen, wann welche anzuwenden sind. Das ist die wahre Kunst der VWL, und das geht nur, wenn man die Realität beobachtet und von ihr ausgeht.

    Ein Beispiel:die Ungleichgewichte zwischen USA und China wurden u.a. von Caballero (2008) als Gleichgewichtsphänomen erklärt, nachdem sich die Zumft lange wunderte, dass Kapital vom kapitalarmen ins kapitalreiche Land fliesst. Das Modell basiert auf der Annahme, dass US-amerikanische Finanzanlagen denen im Rest der Welt überlegen sind.

    Dieses Papier im AER ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten. Das Ergebnis steht in der Annahme. Kein Wort zur Unterbewertung der chinesischen Währung als Entwicklungsstrategie und der damit notwendigen Aufkäufe von US-Dollars (so hat es Deutschland übrigens in der Nachkriegszeit ebenfalls gemacht). Die Daten bestätigten zur Zeit des Erscheinens allerdings das Model von Caballero.

    Es ist nicht so einfach, wie Sie das darstellen. Aus diesem Grund plädiere ich für Modellvielfalt.

    • AW:Vorteile der mathematischen Modellbildung

      [ ]

      Sie bringen es genau auf den Punkt.. Man kann auch vollkommen unsinnige Modelle nachträglich mit Daten in Verbidnung und dann, je nach Interesse, bestätiigen oder widerlegen.
      In meinem zweiten Artikel hier auf der Oekonomenstimme findet sich folgendes Zitat:
      "Das eben erwähnte Beispiel macht einmal mehr deutlich, dass empirische Datenanalysen mit Hilfe statistischer Verfahren (Ökonometrie) in Wirklichkeit selten dazu beitragen, Behauptungen als richtig oder falsch zu entlarven. Durch "geeignete" Auswahl der Daten und des Zeitraums, durch "geeignete" Manipulation der Daten, durch die Auswahl "geeigneter" statistischer Verfahren und durch die Nichtpublikation von Resultaten, die der eigenen Position widersprechen, lassen sich fast alle postulierten Zusammenhänge je nach Interesse der Forscher bestätigen oder falsifizieren. Wie subjektiv die Ergebnisse sind, lässt sich daran erkennen, dass die gleichen Forscher immer dasselbe herausfinden. Easterlin "beweist" mit schöner Regelmässigkeit die zufriedenheitsmässige Neutralität des Einkommens und Stevenson und Wolfers "beweisen" immer das Gegenteil. Würden Forscher tatsächlich unvoreingenommen an die Daten herangehen, dann müsste man davon ausgehen, dass die gleichen Wissenschaftler immer wieder zu anderen Ergebnissen kommen. Das ist aber praktisch nie der Fall, und statistische Verfahren dienen in der Praxis vor allem dazu, bereits vorgefasste Meinungen bzw. Ideologien zu untermauern."
      Da sich ökonomisch relevante Sachverhalte nie empirisch exakt messen und formulieren lassen, kann man sie auch nie empirisch exakt widerlegen oder beweisen.
      Mathias Binswanger

      • AW:AW:Vorteile der mathematischen Modellbildung

        [ ]

        Wenn man als Forscher, oder besser die Editoren/Referees ehrlich sind, dann wären die von ihnen beschriebenen Praktiken des „data snooping“ zumindest so einfach nicht möglich. Erwähnenswert ist hier bspw. der klare Artikel von Peter Reinhard Hansen und Allan Timmermann (Choice of Sample Split in Out-of-Sample Forecast Evaluation), welche fordern, dass man die Trennung zwischen in-sample und out-of-sample dynamisch gestaltet und schlagen einen gegenüber „p-value mining“ insensitiven Test vor. Alternativ dürfte es auch schon reichen, wenn man zumindest mehrere p-values (oder das Maximum dieser, aber zu einer Kritik bei diesem Vorgehen, siehe auch dieses Paper) angeben müsste. Es liegt in der Macht der Editoren/Referees, solche eine Praxis zu verlangen.
        Ansonsten wird man, rein praktisch, um das Problem des Publication Bias nicht herum kommen.
        In ihrer Argumentation, die realen Daten nicht so ernst zu nehmen, weil „sich ökonomisch relevante Sachverhalte nie empirisch exakt messen und formulieren lassen“, sehe ich eine große Gefahr die wie Wirtschaftswissenschaften. Ich persönliche glaube jetzt schon, dass die aktuelle Wirtschaftswissenschaft an zu viel normativen und zu wenig überprüfbaren Theorien krankt. Notwendige Bedingung für eine sinnvolle Theorie sollte sein, dass sie analytisch richtig ist („keine Rechenfehler enthält“). Aber neue Theorien nur auf ihre Konsistenz mit bereits bestehenden Theorien zu überprüfen wird vor allem dann nicht ausreichen, wenn die schon bestehenden Theorien kaum empirisch getestet worden sind, sondern ebenfalls wieder nur konsistent zu anderen Theorien sind. So kommt man irgendwann nur zu axiomatischen Annahmen und hat eine (in sich) widerspruchsfreie Theorie – welche aber wohlmöglich recht wenig über die reale Welt aussagt.
        Hier bin ich ganz an der Seite von Herrn Bachmann, die Methodik ist wichtig, ebenso quantitative Antworten auf Probleme zu finden bzw. überhaupt testbare Aussagen, d.h. irgendwie an realen Daten entscheidbare Aussagen. Würde man dies Aufgaben, so würden wir eines der (ich denke sogar DAS) wichtigste Instrument zur Diskriminierung zwischen Theorien verlieren. Die Ökonomen sollten m.E. nicht weniger, sondern mehr, Empirie betreiben. Unabdingbar dafür ist eine viel methodenlastigere Grundausbildung. Ich gebe Herrn Bachmann auch insofern Recht, als die Antwort fast aller „Heteroxien“ in der Herausstreichung qualitativer Größen, Reflevität etc. geht. Auf konkrete ökonomische Fragestellungen haben sie kaum „bessere“ testbare (man muss ja vergleiche können) Antworten – sie immunisieren sich mit ihrer Fundamentalkritik eher gegen Kritik allgemein.
        Ansonsten kann ich gern mal herausstellen, was ich, als gelernter Ökonom, Mathematiker und Doktorand, an der Mainstream-Ökonomie, besonders der Nutzentheorie, auszusetzen habe, sollte Interesse bestehen.

        Napo

    • AW:Vorteile der mathematischen Modellbildung

      [ ]

      Eine Frage: Wie erklären Sie sich dann, dass die gleichen Ökonomen bei kontroversen Fragen auch immer zum gleichen Ergebnis kommen wie in meinem Beispiel, wo es um den Zusammenhang zwischen Glück und Einkommen geht? Haben die immer zufällit gerade Daten, die zufällig ihre eigene, vorgefasste Meinung untersützt?
      Im übrigen bin ich nicht gegen empirische Forschung. Ich sage nur, dass empirische Forschung entscheidende ökonomische Fragen nicht löst. Ist Geld zum Beispiel neutral? Sie werden tausende von Arbeiten finden, die das eher bejahen und tausende die das eher verneinen.
      Emprische Forschung soilte vielmehr darauf konzentriert sein, wesentliche Daten zu beschaffen. Eine "garbage in- garbage out"-Ökonoometrie ist hingegen wenig hilfreich.

      • AW:AW:Vorteile der mathematischen Modellbildung

        [ ]

        Zum einen hinkt der Stand der verwendeten Methoden in den Anwendungen dem state-of-the-art doch recht weit hinterher.
        Ich gebe mich gewiss keinen Illusionen hin, die meisten ökonometrischen Modelle werden so gebaut, dass man Modelltypen und Faktoren so lange durchprobiert, bis man ein signifikantes Ergebnis gefunden hat. Um das Problem der test-of-tests wird man wohl nie herum kommen, da Daten einfach zu wertvoll sind, um sie nur einmal zu verwenden. Aber zumindest kann man data snooping immer schwerer machen, genau dafür ist doch eine Verbesserung der Methodologie da.

        Zu ihrer konkreten Frage, der "zufriedenheitsmäßigen Neutralität des Einkommens" - was ist da genau der Untersuchungsgegenstand? Wieso interessiert dies überhaupt Ökonomen? Ich finde auf der Mikroebene sollten wir aufpassen die Grenzen zur Psychologie nicht zu überschreiten, oder wir sollten interdisziplinär arbeiten (gibt die Ansätze ja).
        Für mich fängt Ökonomie bei der Interaktion von mind. 2 Individuen an. Kleine Gruppen und deren Dynamiken kann man auch statistisch/deterministisch-dynamisch hinreichend gut beschreiben.
        Ansonsten wird man an Daten natürlich nicht unvoreingenommen heran gehen, sondern man will meistens bestimmte Sachverhalte zeigen. Aber, bei einer vernünftig operationalisierbaren Fragestellung und fortwährender Methodenentwicklung glaube ich, dass sich im Zeitablauf Theorien aufgrund empirischer Evidenz weiterentwickeln und die Realität besser beschreiben.

        Zudem sollten wir die Ergebnisse aus der Mathematik und auch aus der Physik ernst nehmen. Oder einfach so alte Sachen wie das Sonnenschein-Mantel-Debreu Theorem. Physiker lachen uns Ökonomen aus, wenn wir ihnen erzählen, dass wir gelernt bekommen, dass man aus der Aggregation von Mikro-Verhalten etwas über das Makro-System aussagen kann. Dies kann man nur in sehr einfachen Systemen, in den meisten Systemen geht dies ansatzweise auch, aber mit gänzlich anderen Methoden, als die Ökonomen klassischerweise verwenden/verwendet haben. Da fehlt es m.E. an mathematischem Grundwissen.

        • AW:AW:AW:Vorteile der mathematischen Modellbildung

          [ ]

          Sie haben meine Frage nicht beantwortet: Wie erklären Sie sich, dass die gleichen Ökonomen bei kontroversen Fragen auch immer zum gleichen Ergebnis kommen? Haben die immer zufällig gerade Daten, die zufällig ihre eigene, vorgefasste Meinung untersützt? Das Glück-Einkommens Thema war nur ein Beispiel, wo das so ist. Es ist bei andern Themen auch so.

          • AW:AW:AW:AW:Vorteile der mathematischen Modellbildung

            [ ]

            Ich dachte, ich hätte mehrere Faktoren genannt.

            (a) Die Referees achten nicht streng genug auf Verwendung neuester Methodik bzw. auf einfache Kenngrößen, welches ein data snooping viel schwerer machen. Je schwerer dies wird, desto weniger Paper können so veröffentlicht werden.

            (b) Ist die Fragestellung sinnvoll und eindeutig operationalisierbar? Dies scheint beim Glück-Einkommens-Thema nicht so zu sein. Dies öffnet natürlich Tür und Tor verschiedene Faktoren anders zu interpretieren.
            Wenn man Größen nicht direkt beobachten kann, so sollte man doch einiges an Vorsicht walten lassen, wenn man mit ihnen ein Modell baut.

            (c) (Thema nur gestreift) Nutzentheorie und im allgemeinen recht hochparametrisierte Modelle machen es viel zu einfach model fitting zu betreiben, d.h. sich aus einer Vielzahl ähnlicher Modelle dasjenige mit hoher Signifikanz auszusuchen. Dies ist (neben dem nicht-auflösbaren Ehrlichkeitsproblem) vor allem ein modellmethodentheoretisches Problem. In kaum einer anderen Wissenschaft mit Realbezug ist man so am Testen aufgehangen. Publication Bias, model fitting und auch data snooping sind Probleme, welche dadurch induziert werden.

            Ansonsten wird man natürlich nie ausschließen können, dass Forscher sich zu bestimmten Ideen ihre Modelle bauen. Aber in einer langfristigen Konkurrenz dieser Modelle sollten wir doch Evidenz für/gegen solche Modelle finden.

            • AW:AW:AW:AW:AW:Vorteile der mathematischen Modellbildung

              [ ]

              Hier einige Kommentare zu Ihrer Antwort:

              (a) Auch Referees sind Menschen mit Interessen, Je nachdem haben sie auch eine Vorliebe dafür, gewisse Resultate zu bestätigen oder zu falsifizieren. Und wasdie neuesten Methoden betrifft. Das ist eine urallte Illusion, die man schon seit 40 Jahren hat.. Wenn die Methoden noch etwas besser waären, dann könnte man ein Resultat endgültig, bestätigen oder falsifizieren. Stattdeseen werden die Methoden immer komplexer und damit für den Normalökonomen zunehmend zu einer Blackbox, Und die Spezialisten sind im Normalfall nicht am Inhalt interessiert, sondern an der Methode.

              (b) "Wenn man Größen nicht direkt beobachten kann, so sollte man doch einiges an Vorsicht walten lassen, wenn man mit ihnen ein Modell baut." Vollkommen richtig. Nur ist das der Normalfall und nicht ein Sonderfall. Die meisten relevanten Sachverhalten sind nicht direkt beobachtbar. Nehmen wir nur die Geldmenge. Wenn einem ein Resultat nicht passt, dann definiert man die Geldmenge solange um, bis es doch wieder passt.

              (c) Auch hier gege ich Ihnen völlig recht.

              Generell haben sie offenbar die nach wie vor schöne Illusion, dass es in der Ökonomie in erster Linie darum ginge, die Realität irgendwie zu verstehen. Der Wissenschaftssoziologe Rorbert Merton spricht hier von einem "Taste for Science". Hauptziel ist heute aber, möglichst viel zu publizieren, und der Inhalt ist oftmals sekundär. So sind die Anreize im Wissenschaftssystem gesetzt, Der "Taste for Science" wurde abgelöst durch einen "Taste for Publications",

              • AW:AW:AW:AW:AW:AW:Vorteile der mathematischen Modellbildung

                [ ]

                @(a) Komplett falsifizieren geht sowieso nicht. Aber mit besseren Methoden kann man schon sehr viel mehr Evidenz für eine Aussage erhalten. Es geht nur darum, falsche Hypothesen schneller praktisch aussortieren zu können. Dies geht einmal über größere Datensätze, d.h. meistens meta-studienartig im Zeitverlauf, zum anderen über bessere Methodik. Wieso nicht data snooping erschweren?
                Ansonsten gebe ich ihnen recht, die Spezialisten sind eher an der Methodik selbst interessiert. Allerdings klafft m.E. eine recht große Lücke zwischen den Spezialisten und den normalen "Anwendern".
                Auf die Referees will ich nicht auch noch eingehen, außer insofern, dass sie recht einfache Verbesserungen in der Methodik noch mehr einfordern sollten, ich nannte ein Beispiel.

                @(b) Es kommt auf die Art der Modellbildung an, ob dies der Normal- oder der Sonderfall ist. Wieso muss ich meine ökonomische Fragestellung in latenten Variablen formulieren?
                Und ich meinte hier nicht unterschiedliche Definitionen, Geldmenge für sich ist zwar eine Abstraktion, aber M1 im ECB-Bericht XYZ vom 01.06.2011 (fiktiv) ist keine Abstraktion mehr. Man kann ja die reale Größe mit Eigenschaften beliebig beschreiben.
                Aber wieso ein wissenschaftliches Modell bauen, welches Aussagen über latente Größen macht, welche ich aber nicht einmal beobachten kann? Ich muss dann zugleich eine operationalisierte Version meines Modells basteln, um eine Verbindung zu testbaren Größen herzustellen. Wirklich testen kann ich dabei nicht, ob die Verbindung von latenten Variablen zu operationablen Variablen wirklich so existiert, wie postuliert. Letztlich kommt alles darauf zurück sein Modell in beobachtbaren Größen zu formulieren.
                Natürlich kann man dann trotzdem in einer PCA rausbekommen, dass eine gewisse Kombination an Faktoren im Eigenvektor zum größten Eigenwert sehr stabil sind und dies dann ökonomisch mittels einer latenten Variable erklären. Aber dann hat man diesen Faktor sozusagen als stylized fact der Daten gewonnen und fängt nicht mit ihm bei der Modellbildung an.

                @Publizieren: Sicher muss jeder für sich möglichst viel und möglichst gut publizieren. Daher sprach ich auch die Referees an, weil sie die ersten sind, welche den Standard hoch halten müssten. Natürlich kann man jetzt ein kleines Spielzeugmodell bauen, welche Wissenschaftler ein Interesse für höhere Qualität haben etc., geschenkt.

                Gerade als Ökonomen sollten wir für intelligente Wettbewerbssysteme auch in der Wissenschaft eintreten. Dies wird aber ein anderes Thema.

  • Anmerkungen und Fragen

    [ ]

    die entwicklung der diskussion wirft aus meiner sicht eine reihe von fragen auf

    1) warum nimmt binswanger nicht an der diskussion hier teil?

    2) wollen binswanger und bachmann (hier) nicht miteinander diskutieren?

    daneben habe ich den eindruck, dass sich die hauptakteure schwer tun bei der diskussion zwischen der sachebene und der ebene der beteiligten personen zu trennen.

    wenn man miteinander diskutieren moechte dann muss man auch aufeinander zugehen und miteinander reden. sich nur gegenseitig vorwuerfe machen und attackieren bringt die diskussion hier nicht weiter. fuer die zukunft waere es hilfreich sich auf einzelne punkte zu konzentrieren und diese der reihe nach zu diskutieren.

    3) ist es nicht erschreckend, dass eine diskussion an welcher profs beteiligt sind sich hier so elendig entwickelt?

    4) welchen eindruck vermittelt denn die zunft der volkswirte nach aussen, wenn man die diskussion hier verfolgt?

    mich erinnert das an den artikel "hip heterodoxy" von hayes in "the nation" (findet man per suchmaschine), in welchem der autor den krieg zwischen orthodoxen und heterodoxen in den usa beschreibt.

    5) wann wenn nicht jetzt waere es an der zeit diese graeben zu ueberwinden um die vwl voran zu bringen?

    6) oder gedenkt die herrschende klasse der verbeamteten volkswirte diese kriese einfach auszusitzen und sich nur moeglichst wenig zu bewegen?


    • Kommentar von Mathias Binswanger

      [ ]

      Eine Frage: Wer hat denn den Kommentar gerade vor Ihnen geschrieben? Meines Wissens steht da der Name Mathias Binswanger. Offenbar nimmt er doch an der Diskussion teil.

  • @nick (Mathias Binswanger?)

    [ ]

    Da haben sie natuerlich Recht, da steht Mathias Binswanger. Das steht allerdings auch "geschrieben von nick". Um Missverstaendnisse in Zukunft zu vermeiden waere es vorteilhaft den "nick" durch den richtigen Namen (oder eine abkuerzung in anlehnung daran, sie z.B. rudib) zu ersetzen.

    Ich wuerde es begruessen, wenn die zwei Hauptakteure (Bachmann und Binswanger) direkt auf die vorangehenden Beitraege des anderen Hauptakteurs eingehen. Das erkenne ich hier bis jetzt nur ansatzweise.

    Warum Herr Binswanger antworten Sie z.B. nicht direkt auf den Beitrag von rudib am 19.1 um 14.42? Warum gehen Sie nicht darauf ein was rudib da schreibt?

  • Kritik an Nutzentheorie

    [ ]

    Um auch noch meine Mainstream-Kritik loszuwerden: Kritik an der Nutzentheorie.

    Wie wir alle mal in den ersten VWL-Vorlesungen gelernt, viele aber gleich danach wieder vergessen haben, wollen wir eigentlich Präferenzen mit einer Präferenzordnung darauf modellieren. Wir können aber stattdessen quasi-konkave Funktionen im R^n mit gewissen Eigenschaften betrachten, wobei es eine isomorphe Einbettung des einen in das andere gibt, d.h. es reicht die einfacher zu handhabenden Nutzenfunktionen zu betrachten, anstatt der sperrigen Präferenzen mit Ordnung auf ihnen.
    Damit man eine Relation auf einer Menge sinnvoll als "Ordnung" bezeichnen kann, muss sie mindestens reflexiv und transitiv sein (etwas ungenau). Reflexivität ist i.A. kein Problem, aber Transitivität! Es gibt zahlreiche empirische Experimente, welche Transitivität von Präferenzen untersuchen und zu dem Schluss kommen, dass sie zwar teilweise (meistens), aber eben nicht immer besteht - und dies für praktisch jedes Individuum. Es gibt sehr gut untersuchte Bereiche, wo Transitivität bei praktisch jedem Menschen verletzt wird. Transitivität ist aber der Kern der Utility-Theory, darauf baut das Optimierungskalkül der Nutzentheorie implizit auf - man merkt es nur nicht mehr, weil man mit Nutzenfunktionen, anstatt mit den ihnen zugrundeliegenden Präferenzordnungen arbeitet.
    Zugegebenermaßen gibt es einige, sehr vereinzelte Versuche auf Transitivität zu verzichten - allerdings extrem wenige, weil mit dem Fehlen von Transitivität das Konzept kaum zu retten sein wird.

    Natürlich sollen Nutzenfunktionen nur approximativ die Präferenzen von Menschen beschreiben und man könnte argumentieren, dass der Fehler, den man durch Nicht-Beachtung der Intransitivität macht gering ist - allerdings gibt es dazu kaum theoretische Arbeiten, zum anderen benutzt man gerade bei Optimierungskalkülen die Transitivität.
    Zudem ist überhaupt fraglich, ob die Nutzentheorie rein wissenschaftstheoretisch solch ein sonderlich sinnvolles Konzept ist. Es ist leicht tautologisch definiert, eher als ad-hoc Modell aus Axiomen anstatt aufgrund empirischer Befunde entstanden und, vergleichen mit anderen Wissenschaften, gibt es sehr wenig Evidenz dafür, dass es eine besonders sinnvolle Modellierung darstellt. Leider schränken die sehr oberflächlichen Mathematikkenntnisse m.M.n. die meisten Ökonomen darin ein, eine andere Methodik anstelle der Nutzentheorie zu setzen. Die Ansätze gibt es bereits mit, wie ich finde, weit vielversprechenderen Ergebnissen.

    Ich sage damit nicht, dass man Studenten nicht auch Nutzentheorie beibringen sollte. Aber man sollte sie viel stärker kritisieren und nicht große Teile der Ökonomie auf ihr aufbauen - denn diese Teile könnten dann auf Sand gebaut sein!

    Napo

  • Das Argument zieht nicht

    [ ]

    "Wenn es nur um eine reale Wirtschaftskrise ginge und die Wirtschaftswissenschaft keine Krise hätte, sondern klare und eindeutig richtige Lösungen anbieten könnte, dann sollten jetzt möglichst viele dieses Fach ‘einfach’ studieren, statt darüber zu diskutieren (obwohl das wohl immer Teil eines akademischen Studiums ist)."

    Warum ist nach Fukushima eigentlich die Kernphysik nicht am Pranger? Die Öknomen dafür zu belangen, dass sie keine Rezept gegen die Krise haben, ist doch kein Argument gegen ihre Theorie.

  • Wohlstand für alle

    [ ]

    „Der Markt ist besser als der Staat.“

    Ludwig Erhard

    Um die freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus allen verständlich zu machen, habe ich eine hervorragende Schrift komplett überarbeitet und – ohne den Sinngehalt zu verändern – auf die heutige Zeit angepasst, die ursprünglich im Jahr 1916 unter dem Titel „Die Befreiung von der Geld- und Zins-Herrschaft“ erschien, verfasst von Georg Blumenthal, der als einer der ganz wenigen Zeitgenossen und Anhänger des Genies Silvio Gesell das Wesen des Geldes wirklich verstanden hatte und diese grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung mit einfachen und klaren Worten sehr gut beschreiben konnte.

    Alle Textabschnitte, die sich auf den damals noch üblichen „Goldstandard“ beziehen, habe ist weggelassen, weil wenigstens dieser Unsinn heute nicht mehr behandelt werden muss, auch wenn die so genannte „Österreichische Schule der Nationalökonomie“ - die gedanklich irgendwo im erzkapitalistischen „Wilden Westen“ des 19. Jahrhunderts stecken geblieben ist und das für „Liberalismus“ hält - bis heute nicht begriffen hat, dass es einen „inneren Wert“ des Geldes nicht gibt, sondern es allein darauf ankommt, seine Kaufkraft zu stabilisieren, indem der regelmäßige Umlauf des Geldes unabhängig vom Zinsfuß gemacht wird (konstruktiv umlaufgesicherte Indexwährung). Ansonsten werden in der folgenden Schrift alle grundlegenden volkswirtschaftlichen Probleme, mit denen sich vom kollektiv Unbewussten gewählte „Spitzenpolitiker“ und indoktrinierte „Wirtschaftsexperten“ seit jeher vergeblich abmühen, logisch aus unserer a priori fehlerhaften Geldordnung heraus erklärt – und es werden die grundsätzlich geänderten Verhältnisse klar und deutlich beschrieben, sobald das Geld nicht mehr Ausbeutungs- und Spekulationsmittel, sondern reines Tauschmittel ist:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/wohlstand-fur-alle.html

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu schreiben.

Autor

Mathias Binswanger

Mathias Binswanger

Schlagworte

Gleichgewichtsmodelle, Krise-Ökonomik, Mainstreamökonomie, Prostitution

Weitersagen

Ähnliche Artikel