Kann ein Staat sich kaputt sparen?

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Daniel Gros, 23. Dez. 2011
Kann ein Staat sich kaputt sparen? 2.91 5 23

Alle von der Euro-Schuldenkrise betroffenen Staaten müssen sparen, Steuern erhöhen und hoffen damit besser Refinanzierungsbedingungen zu erreichen. Der neue Vertrag, der zur Zeit verhandelt wird, verlangt von allen Eurostaaten eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild. Aber könnte es nicht sein, dass sich durch Sparen die Lage sogar verschlimmert? Viele Ökonomen warnen, dass eine exzessive Sparpolitik in eine erneute Rezession mündet, die dann ihrerseits zu einer höheren Schuldenquote führen könnte als zuvor. Während die Debatte darum immer heisser geführt wird, liefert der folgende Beitrag eine Prise abkühlende Wirtschaftslogik.[ 1 ]

Die Frage ist also: Könnte sich Sparsamkeit als kontraproduktiv erweisen? Bei der Antwort muss man unterscheiden: geht es um das laufende Defizit (=Verschuldung), oder um den Schuldenstand?

Mitunter wird die Auffassung vertreten, dass Ausgabenkürzungen (oder Steuererhöhungen) zu einem höheren Defizit führen könnte, da sie die Nachfrage so stark eindämmten, dass aus dem dadurch entstehenden Steuerverlust effektiv ein noch höheres Defizit resultiere. In Standardmodellen ist diese Form einer „Laffer-Kurve“ allerdings nicht möglich. Wäre es aber tatsächlich so, würde dies bedeuten, dass eine Erhöhung der Ausgaben zu einer Verringerung des Defizits führen könnte, weil die Steuereinnahmen durch stärkeres Wachstum so weit ansteigen würden, dass sie die Ausgabenerhöhung überwiegen würden. Diese Aussage wurde in den USA mehrmals getestet und durchgehend falsifiziert.[ 2 ]

Aber eine andere Frage kann auf den ersten Blick nicht so eindeutig beantwortet werden:

Kann Sparpolitik Schuldenquoten ansteigen lassen?

Die Finanzmärkte und die Politik in Europa beschäftigt heute vor allem die Schuldenquote. Ein Argument, das oft vorgetragen wird ist, dass ein Sparkurs insofern schädlich sein könnte, als die resultierenden BIP-Einbussen so gross sein könnten, dass die Schuldenquote zunimmt. Das ist daher von Gewicht, da die Schuldenquote von den Finanzmärkten oft als Nachhaltigkeitsindikator herangezogen wird. Somit könnte ein niedrigeres Defizit tatsächlich die Spannungen in den Finanzmärkten erhöhen.

An dieser Stelle möchte ich zeigen, dass dieses Ergebnis tatsächlich eintreten könnte, allerdings nur für eine kurze Dauer. Mittel- bis langfristig verbessert sich die Schuldenquote, selbst wenn der Defizitabbau das BIP senkt. Die Ergebnisse des unten vorgelegten Modells vorwegnehmend, kann anhand eines Standardmodells gezeigt werden, dass sich Haushaltsanpassungen kurzfristig schädlich auswirken können, wenn das Produkt aus der Ausgangsschuldenquote und dem einfachen keynesianischen Multiplikator über 1 liegt (Details siehe Anhang).

Staaten mit einer Schuldenquote über 100% könnten diese Bedingung erfüllen, wenn wir bestimmten keynesianischen Modellen mit fiskalischen Multiplikatoren über 1 Glauben schenken (das bedeutet, dass die Auswirkungen der höheren Ausgaben auf die Wirtschaftsleistung grösser sind als der Ausgabenbetrag selbst). In den meisten neo-keynesianischen Modellen sind die „Multiplikatoren“ jedoch meist wesentlich tiefer, meist unter 1. Wenn diese Modelle die Wirklichkeit besser beschreiben, ist es unwahrscheinlich, dass Sparsamkeit auch nur kurzfristig zum Bumerang werden könnte.

Einfache Berechnungen

Der kurzfristige Selbstzerstörungsmechanismus könnte folgendermassen aussehen: Nehmen wir einmal an, Italien – mit einer Schuldenquote von 120% – würde sein Defizit um 1% des BIP durch eine Kürzung der öffentlichen Ausgaben senken.

  • Wäre der Multiplikator 1,5, würde die Ausgabenkürzung das BIP um 1,5% senken.
  • Der Rückgang des BIP – für sich genommen – würde die Schuldenquote um 1,8 Prozentpunkte erhöhen.[ 3 ]

Das aber ist mehr als man unmittelbar durch die Ausgabenkürzung erreicht würde.

Die langfristige Berechnung ist etwas komplexer. Zwei Gründe sprechen für das allgemeine Ergebnis, dass sich Haushaltsanpassungen langfristig nicht kontraproduktiv auswirken können:

  • Erstens nehmen die meisten Modelle an, dass Ausgabenkürzungen die Nachfrage zwar kurzfristig senken, die Wirtschaftsentwicklung jedoch nach einer Weile wieder auf den vorherigen Kurs zurückkehrt.

In diesem Falle verringert sich langfristig die Schuldenquote, da das BIP auf den ursprünglichen Kurs zurückkehrt, die Verschuldung aber nicht – durch die Sparmassnahmen bleibt sie tiefer.

Daraus folgt, dass jede kurzfristige Zunahme der Schuldenquote aufgrund des Nachfragerückgangs langfristig gänzlich ausgeglichen werden muss. Die langfristige Auswirkung eines geringeren Defizits auf die Schuldenquote entspricht daher der Reduktion des Defizits selbst.

  • Zweitens, angenommen, dass sowohl die Kürzungen der öffentlichen Ausgaben als auch die Auswirkungen auf das BIP dauerhaft sind, muss sich die Schuldenquote langfristig verbessern.

Der grundlegende Punkt ist einfach. Die dauerhafte Reduktion des Defizits senkt die Wachstumsrate der Schulden, während die dauerhaften Auswirkungen auf das BIP dessen Niveau, aber nicht dessen Wachstum senken. Im Laufe der Zeit werden sich daher anfängliche Erhöhungen der Schuldenquote umkehren.

Eine noch extremere Version würde behaupten, dass eine dauerhafte Defizitreduktion die langfristige Wachstumsrate absenken würde. Aber dieses Ergebnis findet sich nicht einmal in den radikalsten keynesianischen Modellen.

Sind kurz- oder langfristige Ergebnisse wichtiger?

Die zentrale Frage im Kontext der aktuellen Krise der Eurozone ist somit, ob sich die Finanzmärkte kurz- oder langfristig orientieren. Interessenten für italienische Zehn-Jahres-Anleihen sollten den langfristigen Einfluss des Defizitabbaus auf die Schuldenhöhe beachten, der ziemlich sicher positiv sein wird. Sollten sich die Märkte jedoch nicht rational verhalten und lediglich auf die kurzfristige Wirkung reagieren, könnte das Ergebnis natürlich anders aussehen.

Politische Schlussfolgerungen

Wie sollen die Regierungen also handeln? Sollen sie Sparprogramme aufgeben, weil die Finanzmärkte kurzsichtig sein könnten? Das würde den Tag der Abrechnung jedoch nur verschieben, weil die Verschuldung weiter ansteigen würde.

Länder, die in eine Phase erhöhter Risikoaversion mit hohem Schuldenüberhang eintreten, haben nur schlechte Wahlmöglichkeiten. Die Umsetzung glaubwürdiger Sparpläne ist das kleinere Übel, selbst wenn das den Konjunkturabschwung kurzfristig verstärkt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass man schwer behaupten kann, die Perpheriestaaten der Eurozone sollten Defizitabbauversuche einstellen, da die Ergebnisse sich erst langfristig zeigen werden (de Grauwe 2011).

Literatur

Acconcia, Antonio, Giancarlo Corsetti und Saverio Simonelli (2011), “What is the size of the multiplier? [ a ]An estimate one can’t refuse”, Voxeu.org 4. April 2011.

Cogan, John, Tobias Cwik, John B Taylor und Volker Wieland (2009), “New Keynesian versus Old Keynesian Government Spending Multipliers”, NBER Working Paper Series No. 14782.

Cwik, Tobias und Volker Wieland (2011) “Keynesian government spending multipliers and spillovers in the Eurozone”, ECB Working Paper Series, No 1267.

De Grauwe, Paul (2011), “Who cares about the survival of the eurozone[ b ]?”, Centre for European Policy Studies, CEPS.

Krugman, Paul (2011) “Self-defeating Austerity[ c ]”, New York Times Kolumne, 7. Juli.

 

Anhang: einfache Formalanalyse

Das dynamische Verhältnis zwischen Schuldenstand, Defizit und BIP kann durch die Identität des Schuldenbestands beschrieben werden: Schuldenstand heute entspricht dem Defizit plus dem Schuldenstand gestern.

(1) Schuldenstand = Defizit + Schuldenstand-1

Schulden und Defizit meinen dabei den Bestand der Staatsverschuldung und das Defizit jeweils dieser Periode. „-1“ bezeichnet den Schuldenstand der Periode (Jahr, Monat, etc). Um die Schuldenquote zu errechnen, werden lediglich beide Seiten durch das BIP dividiert um folgende Formel zu erhalten:

(2) Schuldenquote = Defizit/BIP + (BIP-1/BIP)(Schuldenstand-1/BIP-1)

aber (BIP-1/BIP) ist lediglich die Umkehrung von 1 plus der BIP-Wachstumsrate. Die Formel, die Schulden, Defizit und Wachstum verbindet lautet daher:

(3) Schuldenstand/BIP = Defizit/BIP + (Schuldenstand-1/BIP-1)/(1+g)

Wenn wir davon ausgehen, dass die Wachstumsrate unmittelbar von der Neuverschuldung beeinflusst wird, hat die Wirkung des Defizitabbaus einen „good-news/bad-news“-Effekt. Die gute Nachricht dabei ist, dass die Schuldenquote mit dem Defizitabbau unmittelbar sinkt. Die schlechte aber: Das sparbedingte langsamere Wachstum führt zu einem geringeren Anwachsen des Nenners des Schuldenstand/BIP-Verhältnisses (Schuldenquote), somit tendiert die Quote zum Ansteigen.

Der Einfluss eines Defizits auf den Verschuldungsgrad wird damit beschrieben durch:

(4) Veränderung von (Schuldenstand/BIP) = 1 -(Fiskalmultiplikator)(Schuldenstand-1/BIP-1) /(1+g)2

wobei der Fiskalmultiplikator die erste Ableitung von g in Bezug auf das Defizit ist. Das zeigt, wie bereits beschrieben, dass das Vorzeichen der Veränderung der Schuldenquote von der ursprünglichen Schuldenquote und der Grösse des Fiskalmultiplikators abhängt.

Um dies besser zu veranschaulichen, können wir die Angleichung 1/(1+g)2 ist 1 anwenden, damit sieht die Formel nun so aus:[ 4 ]

(5) Veränderung von (Schuldenstand/BIP) = 1 - (Fiskalmultiplikator)(Schuldenstand-1/BIP-1)

Daraus folgt, dass ein niedrigeres Defizit den Verschuldungsgrad nicht verbessert, wenn:

1 < (Fiskalmultiplikator)(Schuldenstand-1/BIP-1)

Diese Bedingung wäre bei typischen europäischen Verschuldungsgraden oder beim US-amerikanischen Verschuldungsgrad erfüllt, wenn der Multiplikator grösser 1 ist. Sie wäre beispielsweise erfüllt bei einem Staat, dessen anfänglicher Schuldengrad grösser 1 ist (Italien hat zurzeit 120%) und wenn der Fiskalmultiplikator mindest 1 ist.

Was wäre ein typischer reeller Wert für den Multiplikator? In der Literatur findet sich selbst zur Grösse von kurzzeitigen Multiplikatoren wenig Einigkeit, daher ist es sogar schwierig, auch nur eine Spanne anzugeben. Die eher keynesianischen Modelle tendieren zu grösseren Multiplikatoren, meist grösser als 1. Die eher zukunftsorientierten Modelle gehen von niedrigeren Multiplikatoren aus, da die Akteure dieser Modelle – die höhere zukünftige Steuerbelastung antizipierend – schon heute von niedrigeren Ausgaben ausgehen.

Ein zusätzliches Problem, das hier vernachlässigt wurde, ist, dass zur Errechnung der Schuldenquote der nominale Schuldenstand und das nominale BIP herangezogen werden, während die meisten makroökonomischen Modelle auf realen Variablen beruhen. Angesichts des tiefen (und anhaltend tiefen) Niveaus der gegenwärtigen Inflationsrate der Eurozone jedoch sollten die Ergebnisse davon nicht beeinflusst werden, wenn alle Variablen als Abweichungen vom Ausgangsszenario interpretiert werden. Der kurzzeitige Multiplikator jedoch sollte grösser sein, wenn man sich die Wirkung von Ausgabensenkungen auf das nominale BIP im Gegensatz zum realen BIP anschaut.

Langzeitanalyse

Für eine Langzeitanalyse müssen wir über die aktuelle Periode hinausschauen. Die jetzige Periode lässt sich dabei als Kurzzeit, die nächste Periode als Langzeit betrachten. Der langfristige Schuldenstand wäre demnach durch die Summe aus den Schulden am Ende der jetzigen Periode und dem Defizit der nächsten Periode gegeben.

Dividiert man durch das BIP der nächsten Periode und bildet man Schuldenquoten durch Dividieren und Multiplizieren mit dem gleichzeitigen BIP, sehen wir, dass der zukünftige Schuldenstand von zukünftigen Defiziten und Wachstumsraten abhängt.

Die Analyse kann an zwei einfachen Fällen ausgeführt werden.

  • Eine vorübergehende Kürzung: Das aktuelle Defizit wird abgebaut, aber das zukünftige Defizit und damit auch das BIP kehren zur Ausgangslage zurück.

Dies bedeutet, dass ein vorübergehender Defizitabbau die langfristige Schuldenquote verbessern muss – unabhängig von einer möglichen kurzfristigen Verschlechterung des Verschuldungsgrads. Wenn das Ausgangsdefizit null ist, entspricht die Verbesserung der langfristigen Schuldenquote tatsächlich in etwa der Grösse der ursprünglichen Sparmassnahmen. Schliesslich ist davon auszugehen, dass das BIP langfristig wieder zum normalen Pfad zurückkehrt. Zwischenzeitlich wurden jedoch weniger Schulden aufgehäuft (diese Vereinfachung nähert, wie zuvor, 1+g an 1 an). Der (kurzzeitige) Multiplikator spielt langfristig keine Rolle.

  • Ein dauerhafter Defizitabbau. In diesem Fall könnte man darüber diskutieren, ob das BIP wieder zur Ausgangslage zurückkehrt oder nicht.

In den meisten makroökonomischen Modellen wäre dies der Fall, aber es empfiehlt sich, den Extremfall anzunehmen, wonach ein dauerhafter Defizitabbau zu einer dauerhaften Aktivitätsverringerung führt. In diesem Fall:

Mit konstanter Defizitrate bedeutet das:

Das zeigt, dass die Erfüllung der Bedingungen für eine selbstzerstörerische Wirkung von Haushaltsanpassungen nun immer unwahrscheinlicher wird, da das Produkt aus Multiplikator und ursprünglicher Schuldenquote nun über 2 liegen muss.


  • 1  Dieser Beitrag ist in einer früheren Form bei Vox:[http://www.voxeu.org/index.php?q=node/7360] erschienen.
  • 2  Zum Beispiel im Bericht des US Center of Budget and Policy Priorities on the expansionary policy of 2001-2007. Krugman (2011) liefert ein Beispiel „selbstzerstörender Sparsamkeit“, doch beruht dieses Beispiel auf der Annahme, dass ein Nachfragerückgang externe Auswirkungen hat (Verlust der Arbeitskraft von Nichtbeschäftigten).
  • 3  Beispielsweise wenn BIP=100 und Schuldenstand=120, erhöht sich die 120/100 Schuldenquote auf 121.8 wenn das BIP auf 98.5 fällt.
  • 4  Beispielsweise bei jährlichem Wachstum von 1% ist 1+g=1.01, damit ist 1/(1+g)2 gleich 0.98.

©KOF ETH Zürich, 23. Dez. 2011

 
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Kommentare

Dieser Artikel hat 6 Kommentare.
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    Wir haben aktuelle eine Situation vorliegen, in der die privaten Haushalte praktisch überall mehr sparen/Schulden abbauen möchten und in der die Unternehmen wenig investieren und der Unternehmenssektor sogar Nettosparer ist. Da aber nicht alle Sektoren gleichzeitig Schulden abauen können, ist es schlicht nicht möglich, dass auch der Staat seine Verschuldung senkt.

    Ferner mag die Annahme, dass sich die langfristige BIP-Wachstumsrate nicht ändert, berechtigt sein oder auch nicht (wenn der Staat bei den Investitionen kürzt, eher nicht). Versucht der Staat nun aber zusammen mit Haushalten und Unternehmen und zwar in vielen Ländern gleichzeitig zu sparen, sinkt das BIP deutlich. Es dauert dann viele jahre, bis nur der alte Stand erreicht wäre. Sicher wurde auch das Niveau von 1928 irgendwann wieder erreicht - ca. 12 Jahre später. Eine solche Politik ist m.E. mehr als leichtsinnig und gerade nicht langfristig gedacht. Deutlich sinnvoller ist es, kurzfristig ein höheres Defizit zu akzeptieren, damit der private Sektor seine Bilanzen in Ordnung bringen kann. Beginnt das BIP danach - also nach der Konsolidierung des privaten Sektors - wieder normal zu steigen, kann auch der öffentliche Sektor konsolidieren. Eine gleichzeitige Konsolidierung ist jedenfalls unmöglich.

    • AW:.

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      "Da aber nicht alle Sektoren gleichzeitig Schulden abauen können, ist es schlicht nicht möglich, dass auch der Staat seine Verschuldung senkt."

      Natürlich kann der Staat seine Verschuldung senken, aber dann können sich die anderen Sektoren weniger entschulden - die Anpassung läuft dann über Senkungen des BIPs. Das ist ja genau die Gefahr der Austeritätspolitik. Bei negativer Handelsbilanz für bspw. Italien würde ein Anstieg der Ersparnisse des privaten Sektors zu einem Anstieg der Verschuldung der Ersparnisse des öffentlichen Sektors führen, es sei denn, dieser lässt dies nicht zu. Dann passiert die Anpassung über eine Absenkung der Einkommen, und die privaten Haushalte kommen nicht zum Zuge bei ihrer gewünschten Ersparnis. Bei dynamischer Erwartungsbildung fangen Sie dann an, noch mehr zu sparen, da das Sparen ja bei sinkenden Einkommen immer schwieriger wird.

  • Wie hat Daniel Gros die letzte Ableitung in seinem Anhang berechnet???

    [ ]

    Kann jemand nachvollziehen, wie Daniel Gros die letzte Ableitung in seinem Anhang berechnet hat? Egal wie ich approximiere, es kommt immer etwas anderes heraus...

  • Ausgabenkontrolle sinnvoller

    [ ]

    Die Botschaft des Artikels ist ja beruhigend, trotzdem führt schon das kurzfristige Verfehlen der Senkung der Defizitquoten immer wieder zu aufgeregten Kommentaren und Marktreaktionen. Meines Erachtens wäre es daher schon rein psychologisch wichtiger, sich bei der langfristigen Konsolidierung auf die staatliche Ausgabenseite zu konzentrieren. Diese kann man auch leichter kontrollieren und sie ist weniger konjunkturreagibel.

  • AW an Dehnts

    [ ]

    "Natürlich kann der Staat seine Verschuldung senken, aber dann können sich die anderen Sektoren weniger entschulden - die Anpassung läuft dann über Senkungen des BIPs."

    Jein. Die Anpassung verläuft dann eben nicht so einfach über eine Senkung des BIPs, die für sich genommen schon nicht wünschenswert ist. In einer halbwegs normalen Situation können weder die privaten Haushalte nicht die Unternehmen zur Verringerung der Ersparnis/Kreditaufnahme genötigt werden. Möchten also diese beiden Sektoren im In- und Ausland sparen, d.h. ihre Guthaben erhöhen oder ihre Schulden abbauen, kann der Staat dies über eine höhere Verschuldung akzeptieren oder der Staat kann versuchen, ebenfalls zu sparen. Dann wird das BIP aber nicht einfach etwas fallen und die Anpassung ist da. Das BIP wird vielmehr so lange fallen, bis mindestens ein Sektor eine höhere Verschuldung/ein geringeres Guthaben akzeptiert. Dies könnte das Ausland sein, wenn der Konsum nur ausreichend genug fällt. Da aber letztlich ganz Europa und die USA in der gleichen Situation sind, müsste der Konsum drastisch fallen, um entsprechende Leistungsbilanzüberschüsse gegenüber Asien (oder wem sonst?) zu erzielen. Welche andere Möglichkeit gäbe es sonst? Die Unternehmen werden wohl kaum anfangen, bei immer weiter sinkendem BIP plötzlich zu investieren. Irgendwann könnte der Staat dann doch genötigt sein, eine höhere Neuverschuldung zu akzeptieren. In dem Fall hätte man sich den BIP-Rückgang (und damit einen Anstieg der Schuldenquote) aber auch gleich schenken können.

  • Noch ein Kommentar :-)

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    Mir ist bewusst, dass der Artikel schon etwas älter ist, dennoch ...

    Zum Artikel: So wie es hier steht, finde ich die Annahmen ein wenig simplistisch. Die Mathematik stimmt natürlich, die Krux liegt in "Die dauerhafte Reduktion des Defizits senkt die Wachstumsrate der Schulden, während die dauerhaften Auswirkungen auf das BIP dessen Niveau, aber *nicht* dessen Wachstum senken."
    Das mag oft stimmen, aber beileibe nicht immer. Betrachten Sie nur einmal den Extremfall, in dem ein Staat überhaupt nicht mehr in Infrastruktur, Bildung, Sicherheit investiert. Da werden Sie mit Sicherheit eine dauerhaft geringere BIP-Wachstumsrate sehen. Zusätzlich ist der Multiplier auch keine einfache Größe, sondern hochgradig davon abhängig, wie sinnvoll die Staatsausgaben sind.
    Für kleine Änderungen und in der Hoffnung, dass sinnlose oder sogar kontraproduktive Ausgaben zuerst gestrichen werden, passt die Betrachtung. Reinhard/Rogoff schreiben, dass ab 80% Verschuldungsquote (aufs GDP) die Gefahr der Schuldenkrise stark ansteigt. Das hat auch damit zu tun, dass der Spielraum kleiner wird und sowohl defizitsteigernde wie auch defizitsenkende Maßnahmen aufgrund der Zeitabhängigkeit zuerst einmal die Schuldenquote steigen lassen.

    @Thomas und alle Freunde der Saldenmechanik: Es ist richtig, dass des einen Sparen des anderen Schulden sind. Das ist einfache Buchhaltung. Aber was passiert denn, wenn der Staat seine Schulden zurückfährt und die Privathaushalte sparen möchten? Das Geld liegt auf der Bank und wird von dieser angeboten. Solange der Zinssatz niedrig und die Inflation > 0% (sicherheitshalber vielleicht lieber > 2%) ist, wird sich schon jemand finden, der damit sein Unternehmen aufbauen, modernisieren etc. möchte. Das heisst, dass das Sparen der Privathaushalte dann gleich Neuschulden der Unternehmen ist. Kein Grund zur Beunruhigung also. Wenn den Unternehmen die Ideen ausgehen, was sie mit zusätzlichem Geld machen können, dann haben wir allerdings in der Tat ein Problem. Ob der Staat in diesem Umfeld dann allerdings sinnvolle Projekte finanzieren kann und als Retter in der Not einspringen sollte, bezweifele ich.

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Autor

Daniel Gros

Daniel Gros

Schlagworte

Schuldenbremse, Schuldenkrise, Sparen

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