Mit zunehmender Öffnung und Internationalisierung der Arbeitsmärkte steigt der Wettbewerbsdruck auf die einheimischen Arbeitskräfte. Damit wird die Förderung der Ausbildungsqualität noch wichtiger. Wenigstens im Universitätsbereich braucht es dafür nicht mehr Geld, sondern bessere Anreize für Studierende und Professoren.[ 1 ]
Weil im Wettbewerb die Noten wichtiger werden und fast jeder Semesterkurs benotet wird, entsteht ein eigentliches Marktversagen. Viele Studierende wählen nicht die besonders lehrreichen Kurse, sondern diejenigen, in denen sie leichter hohe Noten erhalten. Die Professoren wiederum stehen im Wettbewerb um Studierende, weil die Ressourcenzuteilung zunehmend von der Studentenzahl abhängt. Deshalb senken sie ihre Ansprüche und vergeben höhere Noten. So lernen die Studierenden weniger, und ihre Zeugnisse werden völlig uninformativ.
Was also tun? Ich schlage die Einführung von Doppelt Relativen Zeugnissen vor. Diese geben erstens zu jeder einzelnen Note an, was die durchschnittliche Note im selben Kurs in den letzten zwei oder drei Jahren war. Daraus wird die relative Leistung eines Studierenden ersichtlich. Eine 4.0 bei einem Tiefnoten-Hochanspruch-Professor, der im Schnitt eine 4.5 gibt, wird dann gleich gut wie eine 5.0 bei einem Hochnoten-Tiefanspruch-Professor, der im Schnitt eine 5.5 gibt.
Zweitens wird für jede Note angegeben, wie gut die Studierenden des betreffenden Kurses im Durchschnitt in den anderen Fächern sind. Daraus wird ersichtlich, wie anspruchsvoll der Kurs relativ zu den anderen ist. So wird dann z.B. eine 4.0 aus einem Kurs, in dem die Durchschnittsnote 4.5 ist und die Studierenden in den anderen Fächern im Durchschnitt eine 5.25 haben, weit besser als die 5.0 in einem Kurs, in dem die Durchschnittsnote 5.5 ist, die Studierenden aber sonst eine 4.25 haben.
Doppelt Relative Zeugnisse können elektronisch einfach erstellt werden. Sie geben den Studierenden und Professoren unverzerrte Leistungsanreize. Die Studierenden können die Fächer aufgrund von Inhalten statt geschenkten Noten wählen. Die Professoren können hohe Ansprüche stellen und vernünftige Noten geben. Und die Arbeitgeber können die Zeugnisse viel besser interpretieren. Zudem macht das System unsere Universitäten für gute ausländische Studierenden attraktiv, für schlechte aber unattraktiv. Damit würde unsere Ausbildung nicht nur besser, sondern auch noch billiger.
- 1 Dieser Beitrag ist am 22. Juli 2012 in ähnlicher Form das erste Mal in der Sonntagszeitung erschienen.
©KOF ETH Zürich, 13. Aug. 2012

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geschrieben von Daniel84 am 13. Aug. 2012, 10:58Gute Idee, aber das größere Problem, dass Abschlüsse auch nicht zwischen verschiedenen Universitäten unbedingt vergleichbar sind, wird dadurch nicht gelöst. Und herrscht hier nicht noch ein größerer Wettbewerb um Studenten?