In Rahmen der Schulden- und Kreditkrise wird vor allem durch Regierungen, Zentralbanken und Medien oft der Eindruck vermittelt, dass eine "zu harte" Währung ein Problem für ein Land darstelle und eine Währungsabwertung als Ausweg empfehlenswert sei.
So nannte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Schweizer Franken im Jahr 2011 "massiv überbewertet"[ a ] und legte in Folge einen Mindestkurs für den Euro von 1,20 Schweizer Franken[ b ] fest.
Der Spiegel hatte 2010 in Bezug auf China gar einen Währungskrieg beschworen[ c ] und legte damit nahe, dass man andere Länder durch Abwertung der eigenen Währung wirtschaftlich besiegen könne.
Kann eine Währung wirklich überbewertet sein?
Der Begriff “Überbewertung” setzt voraus, dass derjenige, der eine Währung für überbewertet hält, glaubt, bessere Informationen zu besitzen als "der Markt". Auf Märkten kann strenggenommen im vorhinein aber nicht von einer Überbewertung sondern nur von einer unterschiedlichen Bewertung desselben Gutes durch verschiedene Markteilnehmer gesprochen werden, die zu einem Marktpreis führen. Ein Eingriff in den Marktpreis und damit bei Währungen in den Wechselkurs spricht dem Zentralplaner eine höhere Erkenntnis als den einzelnen Marktteilnehmern zu. Wenn ein einzelner Marktteilnehmer z.B. den Schweizer Franken für überbewertet hielte, läge es für diesen nahe, bei nächster Gelegenheit Franken in Euro umzutauschen, um von der zu erwartenden Aufwertung des Euro gegenüber dem Franken zu profitieren, statt seinen angenommenen Wissensvorsprung zu verspielen und allen anderen Marktteilnehmern seine Überzeugung mitzuteilen.
Die alleinige Deklaration einer Über- oder Unterbewertung ohne entsprechende praktische Handlung ist deswegen geeignet, die Frage nach dem Motiv der öffentlichen Kundgabe aufzuwerfen. Der Insider-Vorwurf gegenüber SNB-Präsident Hildebrand wäre demnach ein Beispiel für eine rationale persönliche Handlung, auch wenn sie gegen bestehende Schweizer Gesetze verstieße. Aus Sicht der Nationalbank als Institution oder der Schweizer Volkswirtschaft insgesamt ist ein Motiv aber nicht mehr so einfach zu bestimmen.
Gewinner und Verlierer einer starken Währung
Jede Auf- oder Abwertung einer Währung führt sowohl zu positiven wie auch negativen Effekten bei unterschiedlichen Marktteilnehmern. Die Betonung der negativen Effekte der Stärke einer Währung vernachlässigt die Marktteilnehmer, die einen Vorteil aus einer starken Währung ziehen, sonst könnte die Empfehlung wohl nur lauten, jede Währung immer soweit wie möglich abzuwerten.
Ein Eingriff in den Preisbildungsmechanismus und damit in die Austauschverhältnisse von Gütern und Dienstleistungen führt auch im Falle einer Abwertung immer zu nachteiligen Effekten. So werden z.B. ausländische Produkte für den inländischen Konsumenten und importierte Rohstoffe und Vorprodukte für die Unternehmen teurer. Erwarten die Bürger eine Währungsabwertung ihrer eigenen Währung, kommt es zu Kapitalflucht. Wird die Abwertung durch Geldschöpfung, also Ausgabe von Zentralbankkrediten, erreicht, wirkt die Abwertung zudem inflationär auf das inländische Preisniveau.
Ein Teil der behaupteten Vorteile einer Währungsabwertung stellt damit eine rein umverteilende Wirkung zwischen Marktteilnehmern innerhalb des abwertenden Landes dar – einige werden durch eine Währungsabwertung bessergestellt, andere enteignet.
Die Argumentation für Währungsabwertungen entspringt deshalb demselben Denken wie der Einsatz protektionistischer Maßnahmen über Schutzzölle oder andere Einfuhrbeschränkungen, die immer auch Negativwirkungen für Bürger und Unternehmen in dem Land haben, das die protektionistischen Maßnahmen ergreift.
Man könnte auf der politischen Ebene argumentieren, dass aufgrund der Wirtschaftsstruktur in einem bestimmten Land der Saldo der Vor- und Nachteile eines Wechselkurseingriffs positiv oder negativ ist, dies würde aber nichts an der grundlegenden Tatsache ändern, dass der Schutz der einen Marktteilnehmer durch Nachteile anderer Marktteilnehmer im selben Land erkauft werden muss.
Wollte eine Regierung einen gesamtwirtschaftlichen Vorteil für das eigene Land erzielen und gleichzeitig ihre Bürger und Unternehmen gleich behandeln, müsste eine solche Maßnahme durch eine simultane Entschädigung derjenigen Marktteilnehmer begleitet werden, die z.B. durch die gezielte Abwertung der Währung geschädigt werden. Das ist wenig praktikabel, zeigt aber die versteckte Dimension derartiger Markteingriffe.
Bei einer Abwertung des Frankens dürfte die Schweizerische Nationalbank also eigentlich nicht verkünden, dass "die" Schweizer Wirtschaft insgesamt geschützt wird. Bei Berücksichtigung aller Wirkungen müsste dargelegt werden, dass einzelne Branchen wie die Schweizer Landwirtschaft oder exportierende Unternehmen mit geringem Importanteil geschützt werden sollen, zu Lasten der Schweizer Bürger und Unternehmen, die in Folge höhere Preise für Importe zu bezahlen haben.
©KOF ETH Zürich, 6. Jan. 2012

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Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu schreiben.Ein Staatsfonds zur Verteidigung der EUR/CHF-Untergrenze!
geschrieben von alescha01 am 12. Apr. 2012, 10:47Im Finanzuniversum nehmen die Sovereign Wealth Funds (Staatsfonds) einen immer wichtigeren Platz ein. Staatsfonds gibt es in den Ölstaaten, in Singapur, China, Hongkong, Südkorea, Russland, aber auch in Norwegen, Irland und Australien. Mit Ihren Aktienengagements halten diese Fonds rund 4 Prozent aller kotierten Unternehmen.
Mit der Festlegung einer Untergrenze für den Wechselkurs EUR/CHF wurde in der Schweiz der reine Wähungsfloat ausgeschlossen. Damit ergeben sich aus ökonomischer Sicht folgende Hauptmotive für den Aufbau eines Staatsfonds in der Schweiz:
Unterstützung der Nationalbank bei der Verteidigung der EUR/CHF-Untergrenze
Wenn die in EURO gehaltenen Devisenreserven der Schweiz als exzessiv beurteilt werden, legen die Zins- und Eurorisiken portfoliotheoretisch eine globale Streuung des staatlichen Geldvermögens nahe sowie eine teilweise Umwandlung in Sachvermögen. Geldpolitisch lassen sich die exzessiven Devisenreserven nicht mehr durch Sterilisierung der Devisenmarktinterventionen eindämmen, da illiquide lokale Finanzmärkte und Konjunktureffekte eine entsprechende Reduktion des Inlandskredits verbieten. Das impliziert ein Aufwertungsdruck. Investitionen im Ausland würden die Realaufwertung dämpfen. „Mittels eines Staatsfonds könnte die Schweiz ihre Versorgung mit Energie und Rohstoffen sichern. Neben der Nationalbank sollten sich auch Pensionskassen und Hedge Funds an einem solchen Fonds beteiligen“ (avenir aktuell, Mai 2010)
Wirtschaftliche Diversifikation und Effizienzgewinne
Der durch die Überschüsse in der Finanzbranche erzeugte Aufwertungsdruck erzeugt in der Schweiz Wettbewerbsdruck auf die übrigen Wirtschaftssektoren. Mit einem Staatsfonds könnte die industriellen Sektoren der Schweiz gestützt werden.
Vorsorge für alternde Gesellschaft und zukünftige Generationen
Um die sozialen Verpflichtungen auch bei einer restriktiveren Einwanderungspolitik erfüllen zu können, wäre ein Staatsfonds mit globalen Realinvestitionen ein geeignetes Instrument. (Basierend auf Prof. Dr. Helmut Reisen „Staatsfonds aus entwicklungsökonomischer Sicht“, in „Die Volkswirtschaft“ 7/8-2008, Seite 27).