In der „guten alten Zeit“ der USA mussten Investmentbanking und Commercial Banking in getrennten Unternehmen betrieben werden. Dieses Trennbankensystem ging aus der Weltwirtschaftskrise nach 1929 hervor. Ob es damals zur Bewältigung der Krise beigetragen hat, sei dahingestellt. 1999 wurde die Regelung aufgehoben, auch vor dem Hintergrund der Beobachtung, dass die Ertragsquellen von Universalbanken besser diversifiziert sind als die von Spezialbanken in einem Trennbankensystem.[ 1 ]
Die Finanzkrise dient als Begründungsfolie für eine Vielzahl regulatorischer Vorschläge, darunter für die (Wieder-)Einführung eines Trennbankensystems in den USA, aber auch in Ländern mit anderen Erfahrungen und Finanzsystemen. Interessenkonflikte innerhalb der Universalbanken und die Übertragung der Risiken aus dem Investmentbanking auf die Gesamtbank sei eine wesentliche Krisenursache. Man müsse „Zocker“ und „seriöse Bankgeschäfte“ sauber voneinander trennen. Dieser Regulierungsansatz wirft eine Reihe von Fragen auf: Ist die Aufgabe des Trennbankensystems in den USA tatsächlich eine der Ursachen der Finanzkrise? Passt das Trennbankensystem überhaupt in jedes der betroffenen Wirtschaftssysteme? Und schließlich, ist es sinnvoll, die Gestaltung der Finanzsysteme der einzelnen Länder einander so weitgehend anzugleichen.
Welche Rolle spielt die Aufgabe des Trennbankensystems bei der Entstehung der Krise? Die Subprime-Krise entstand in den USA im Kontext einer weitgehenden Zerlegung der Wertschöpfungskette der Immobilienfinanzierung. Die dabei aktiven Typen von Finanzintermediären, nämlich Kreditvermittler, regionale Kreditbanken, global tätige Investmentbanken und Informationsintermediäre wie Ratingagenturen, all diese sind Spezialinstitute im Sinne eines Trennbankensystems. Katalysator zur Ausweitung der Subprime-Krise zu einer globalen Finanzkrise waren spezialisierte Investmentbanken. Und die Vorstellung, man könne diese Investmentbanken in der Krise einfach fallen lassen, hat sich gerade nicht bewahrheitet. Wenn man in dieser einfachen Form eine Lehre aus der Geschichte ziehen möchte, dann eher die, dass die USA zu wenige Elemente eines Universalbankensystems aufwiesen. An dieser Stelle genügt aber die Feststellung, dass sich der vermutete ursächliche Zusammenhang zwischen Krise und Universalbankensystem aus der zeitlichen Folge der Ereignisse in den USA ableitet, ohne die tatsächlichen Wirkungszusammenhänge zu berücksichtigen.
Die deutsche Erfahrung läuft dieser Logik zuwider: Gerade der Wandel einiger Kreditinstitute von klassischen Universalbanken zu Kapitalmarktbanken im amerikanischen Sinne, die mangelhafte Einbindung und übergroße Dominanz des Investmentbankings in diesen Instituten hat sie so anfällig für die Krise gemacht. Diese Institute bemühen sich nun darum, zur traditionellen Kundenbeziehung des Universalbankensystems zurückzukehren. In dieser Beziehung schielt die Bank eben nicht auf den kurzfristigen Gewinn. Daher können beide Seiten dauerhaft und vertrauensvoll zusammenarbeiten, und die Bank kann den Kunden mit dem umfassenden Leistungsangebot einer Universalbank bedienen. Es gibt noch einen elementareren Grund, warum man die Besonderheiten nationaler Bankensysteme nicht einfach zugunsten eines historischen Konzepts aus den USA aufgeben sollte. Die Unterschiedlichkeit der Finanzsysteme wirkt für sich genommen stabilisierend. Sie begrenzt die Auswirkungen systemischer Fehler in bestimmten Typen von Finanzintermediären, lässt Raum für gegenseitige Krisenhilfe. Und schließlich ist die Vielfalt konkurrierender institutioneller Konzepte dynamischer und kreativer als die Einfalt von global vereinheitlichten Banken- und Finanzsystemen.
Ulrich Blum spricht sich hingegen für ein Trennbankensystem aus. Lesen Sie mehr dazu in seinem Beitrag.
- 1 Dieser Beitrag ist erstmals in der Januar-Ausgabe 2012 des Wirtschaftsdienst, der Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, erschienen.
©KOF ETH Zürich, 12. Jan. 2012
