Für ein Trennbankensystem

Transparente Systemik

3665 mal gelesen

Ulrich Blum, 12. Jan. 2012
Für ein Trennbankensystem 3.41 5 17

Es ist scheinbar egal, ob man unter dem Gesichtspunkt der Krisenresistenz für ein Trenn- oder ein Universalbankensystem optiert – dies allein ersetzt gute Regulierung nicht. Mit einem Trennbankensystem fällt dies aber ordnungsökonomisch leichter, weil Prozesse in den Markt verlagert werden, die ansonsten nur intern ablaufen. So wird Systemik transparent, man kann effizient regulieren und ist gegen unbekannte Risken, beispielsweise Cyber-Angriffe, besser gerüstet. Gezeigt wird dies entlang der Beantwortung von drei Fragen:[ 1 ]

  1. Was bedingt internes und was externes Wachstum, was Netzwerkwachstum und was erzeugt eine „too-big-to-fail“-Problematik – ergänzt auch um eine „too-complex-to-fail“-Problematik?
  2. Welche Faktoren begünstigen die „Systemik“ im Bankensektor?
  3. Welche Agency-Probleme liegen vor?

Große Unternehmen erfordern einen breit aufgestellten Finanzsektor – darauf verweist insbesondere die Neue Außenhandelstheorie, wenn sie den scheinbaren Widerspruch zwischen niedriger durchschnittlicher und hoher marginaler Kapitalproduktivität in den USA erklärt. Hinzu treten Skalenökonomien durch Portfolioselektion und Verbundvorteile durch kostengünstige Informationssuchprozesse in den diversifizierten Finanzmärkten. Dadurch sinken die Transaktionskosten. Netzwerkeffekte ergeben sich vor allem durch die Verknüpfung von Transaktionen unter den Banken, insbesondere das aufsichtsrechtlich privilegierte Interbankengeschäft.

Die Systemik, die ein ordnungsökonomisch gebotenes Eingreifen im Krisenfall bisher vorgeblich verhindert, hat drei Dimensionen: Ökonomisch ist sie definiert als totale Wirkungsinterdependenz. Politisch impliziert sie wirtschaftspolitische Unangreifbarkeit, weil Folgen einer Intervention nicht absehbar sind und/oder seitens der „Systemträger“ glaubhafte Drohungen, beispielsweise die der Kreditklemme, bestehen. Schließlich gibt es trotz einer hohen Anzahl differenzierter Institute eine faktisch monokratische Entscheidungsstruktur, die darauf besteht, dass „die Märkte das verlangen“. Aus Agency-Sicht existieren deutliche Interessenskonflikte: Das Finanzinstitut ist Kreditgeber, Anteilseigner, gegebenenfalls Anlageberater oder sogar Depotverwalter des Finanzvermögens eines Unternehmens. Dabei muss es die Interessen von Eigentümern (Steigerung des Economic Value), Regulierungsbehörden (Stabilität und Aufgabenerfüllung) und Mitarbeitern (Prämienmaximierung) balancieren.

Ein Trennbankensystem reduziert das Agency-Problem, weil es jedem Finanzinstitut eine widerspruchsfreie Zielfunktion gibt, um intern echt anreizkompatible Vertragsstrukturen aufzubauen. Es ist damit aus Sicht der Gesellschafter und vor allem der Aufsichtsbehörden leichter zu steuern bzw. zu überwachen. Vor allem das risikoadäquate Bepreisen der Produkte wird erleichtert, auch weil fatale Quersubventionierungen entfallen, womit die Transparenz und schließlich die Wettbewerbsintensität steigen. Ein solches System macht es unmöglich, aus den Einlagen hochspekulative Geschäfte zu tätigen. Allerdings verbleibt trotzdem ein Risiko – was heute ökonomisch solide ist, kann morgen unsicher werden. Außerdem erhöht es scheinbar Transaktionskosten durch Verzicht auf Verbundvorteile, Skalenökonomien und interne Informationsarbitrage. Würde man allerdings die Kosten der gegenwärtigen Bankenrettung systemisch einpreisen, dann wäre praktisch bei allen Investmentbanken ein Totalverlust des Eigenkapitals zu konstatieren. Das lässt auf einen geschäftsmodellspezifischen Value at Risk schließen, für den kein Privater Geschäftsanteile kaufen würde. Das Trennbankensystem eröffnet mehr Transparenz, gerade bezüglich der Systemik, und wirkt auch damit falschen Anreize entgegen. Um eine gute Regulierung kommt man aber nicht herum.

 

Hans-Peter Burghof spricht sich gegen ein Trennbankensystem aus. Lesen Sie mehr dazu in seinem Beitrag.


  • 1  Dieser Beitrag ist erstmals in der Januar-Ausgabe 2012 des Wirtschaftsdienst, der Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, erschienen.

©KOF ETH Zürich, 12. Jan. 2012

 
Für ein Trennbankensystem 3.41 5 17

Kommentare

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare.
Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu schreiben.

Autor

Ulrich Blum

Ulrich Blum

Schlagworte

Trennbanken, Trennbankensystem

Weitersagen

Ähnliche Artikel