Korruption 2010: Zunahme in Deutschland und Österreich

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Friedrich Schneider, 1. Juli 2010
Korruption 2010: Zunahme in Deutschland und Österreich 3.22 5 9

Die möglichen Gründe von Korruption sind Gegenstand zahlreicher Studien.[ 1 ] Sie zeigen, dass die Korruption stark durch das institutionelle und internationale Umfeld (z.B. die Finanz- und Weltwirtschaftskrise) beeinflusst werden, dass Demokratien durchschnittlich weniger korrupt sind als Diktaturen, Regierungen mit längerer Amtszeit tendenziell korrupter werden und die Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze die Korruption beschränkt.

Eine Schlussfolgerung daraus ist, dass der Abbau der fiskalischen Belastung sowie eine Verbesserung des institutionellen Umfelds die Korruption eindämmen könnte. Diese Sicht vernachlässigt allerdings den Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Korruption und der Größe der Schattenwirtschaft eines Landes. Dieser ist keinesfalls eindeutig. Auf der einen Seite kann die Korruption die unternehmerische Tätigkeit im offiziellen Sektor erschweren und Unternehmen so in die Schattenwirtschaft treiben. Auf der anderen Seite kann Korruption die Umgehung von bürokratischen Hindernissen und hohen Steuerzahlungen ermöglichen, so dass Unternehmen weniger häufig in den inoffiziellen Sektor abwandern.

Was bedeuten diese Ergebnisse nun für die Wirtschaft insgesamt? Hier zeigen die meisten empirischen Studien, dass die Korruption das Wirtschaftswachstum erheblich hemmt. Ein Anstieg des Korruptionsindexes um einen Indexpunkt reduziert das Wachstum in OECD-Ländern um 1,25 Prozentpunkte.[ 2 ] Wenn man untersucht, welchen Schaden die Korruption in einer Volkswirtschaft anrichtet, so erhält man für Deutschland und Österreich die folgenden Resultate:

Korruption in Deutschland: Verlust von 270 Mrd. Euro

Korruption wird die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2010 circa 270 Milliarden Euro kosten.[ 3 ] Der Schaden der Korruption als auch die Korruption selbst haben sich für Deutschland (vgl. Tabelle 1) wie folgt entwickelt: Im Jahr 2004 betrug der Schaden 220 Mrd. Euro und der CPI Transparency Index betrug 8,2. Bis zum Jahr 2007 reduzierte sich dieser auf 7,8 (d.h. die Korruption stieg!). Im Jahr 2008 erhöhte sich der Index auf 7,9 (d.h. die Korruption sank) und der Schaden betrug 261 Mrd. Euro, d.h. 7 Milliarden weniger als im Jahr 2007. Im Jahr 2009 ging die Korruption weiter zurück und der Schaden der Korruption reduzierte sich auf 250 Mrd. Euro. Für 2010 wird angenommen, dass die Korruption wieder zunimmt (z.B. Korruptionsfall von Mercedes), d.h. einen Wert von 7,8 erreicht und ebenso der Schaden auf 270 Milliarden Euro steigt.

Aus Tabelle 1 erkennt man, dass ohne Korruption das deutsche Bruttosozialprodukt im Jahr 2009 um 261 Mrd. Euro höher gewesen wäre. Gelänge es, die Korruption wieder, zum Beispiel auf den Wert des Jahres 2004, zurückzufahren, dann würde der Schaden, den die deutsche Wirtschaft erleidet, um 30 Mrd. Euro sinken. Gelänge es, die Korruption in Deutschland auf das Niveau der Schweiz im Jahr 2009 (Rang 5) mit einem Wert von 9,0 zu reduzieren, dann könnte der Schaden für die deutsche Wirtschaft um 45 Mrd. Euro (von 250 auf 205 Mrd. Euro) reduziert werden.

Tabelle 1: Entwicklung der Korruption und des Schadens aus der Korruption in Deutschland (2004 bis 2010)


Korruption in Österreich: Schaden von 26 Mrd. Euro

Nach Dreher, Kotsogiannis und McCorriston (2004) sowie Schneider (2010) beträgt der volkswirtschaftliche Schaden, den die Korruption in Österreich verursacht, im Jahr 2004 22 Mrd. Euro. Aus Tabelle 2 wird ersichtlich, wie sich der Schaden über die letzten Jahre entwickelt hat.

Tabelle 2: Entwicklung der Korruption und des Schadens aus der Korruption in Österreich (2004 bis 2010)


Dies bedeutet, dass das BIP in Österreich im Jahr 2009 um 25 Mrd. Euro höher gewesen wäre, gäbe es keine Korruption. Für 2010 wird angenommen, dass die Korruption weiter zunimmt und der Schaden auf 26 Mrd. Euro steigt. Gelänge es, die Korruption in Österreich auf das der Schweiz im Jahr 2009 (Rang 5; Wert 9.0) zu reduzieren, dann könnte der Schaden für die österreichische Wirtschaft um 7 Mrd. Euro (von 26 auf 19 Mrd. Euro) reduziert werden.

Korruption frisst Produktivität auf

Insgesamt sieht man, dass der Schaden, den die Korruption in Österreich und Deutschland anrichtet, beträchtlich ist, und es ein äußerst lohnendes Politikunterfangen ist, Korruption in beiden Ländern zu verringern. Good Governance, strenge Gesetze (sowie deren Durchsetzung) und ein vorbildliches Verhalten des Staates wären gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Korruptionsbekämpfung.

Abschließend noch eine Bemerkung, warum ein Schaden aus Korruption entsteht: Eine wesentliche Ursache des Schadens ist vor allem die verminderte Produktivität der Volkswirtschaft, da viele Firmen ausscheiden, die wegen der Bestechungsaktivitäten ihre Konkurrenten bei der Vergabe öffentlicher (und manchmal auch privater) Aufträge nicht zum Zug kommen. Dies führt zu geringeren Investitionen mit der Konsequenz eines verminderten Wachstums der Volkswirtschaft. Ein zweiter Faktor ist, dass insbesondere gut Ausgebildete und Spezialisten häufig das Land verlassen, da ihre Arbeitsbedingungen nicht mehr attraktiv sind. Ein dritter Punkt ist, dass es zu verminderten Steuereinnahmen kommt, mit dem Effekt geringerer Infrastruktur und dadurch reduziertem Wachstum. Insgesamt gesehen verschlechtert sich durch zunehmende Korruption (vierter Punkt) die Qualität der staatlichen Institutionen, und ebenso wird auch das Gerichts- und Justizsystem in der Qualität, Effizienz und Effektivität leiden.

Literaturverzeichnis

Bardhan, P. (1997), Corruption and Development: a Review of Issues, Journal of Economic Growth 8/1, pp.155194.

Choi, J. and Thum M. (2005), Corruption and the Shadow Economy, International Economic Review, 46, pp. 817-836.

Dreher A., Christos K. und McCorriston S. (2004). How do Institutions affect Corruption and the Shadow Economy?. Discussion Paper. University of Konstanz und University of Exeter.

Dreher, A., Kotsogiannis, C. and S. McCorriston (2007), Corruption around the World: Evidence from a Structural Model, Journal of Comparitive Economics, 35/3, pp. 443-466.

Dreher, A., Kotsogiannis, C. and S. McCorriston (2008), How the Institution affect Corruption and the Shadow Economy?, International Tax and Public Finance, forthcoming 2011.

Dreher, A. and F. Schneider (2010), Corruption and the Shadow Economy: An Empirical Analysis, Public Choice, 144/1-2, July 2010, pp. 215-238.

Mocan, N. (2004), What determines Corruption?, International Evidence from Microdata, Washington (D.C.): NBER Working Paper 10460.

Otahal, T. (2007), Why is Corruption a Problem of the State?, PragueEconomic Papers, 2/1, pp. 165-179.

Rose-Ackermann, S. (1999), Corruption and Government: Courses, Consequences and Reform, Cambridge: Cambridge University Press.

Schneider, F. (2004). Arbeit im Schatten: Eine Wachstumsmaschine für Deutschland?. Wiesbaden: Gabler Verlag.

Schneider F. (2005). Shadow Economy around the World: What do we really know?. European Journal of Political Economy, 21/3 (September 2005), pp. 598-642.

Schneider F. (2010). Der Einfluß der Weltwirtschaftskrise auf die Schattenwirtschaft und Korruption in Deutschland und in Österreich in 2010: Einige erste Berechnungen, Mimeo, Institut für Volkswirtschaftslehre, Johannes Kepler Universität, 2010.

Schneider F. und Bühn A. (2007). Shadow Economy and Corruption all over the World: Revised Estimate for 120 Countries. Economics: The Open-Access, Open-Assessment E-Journal, Vol. 1, 2007-9.

Schneider F. und Enste D. (2002). The Shadow Economy: An International Survey. Cambridge (UK): Cambridge University Press.


  • 1  Siehe beispielsweise Rose-Ackermann (1999), Mocan (2004), and Choi and Thum (2005).
  • 2  Vergleiche hier Bardhan (1997), Dreher, Kosogiannis and McCorriston (2007 and 2008), Dreher and Schneider (2010), and Otahal (2007).
  • 3  Die Berechnungen lehnen sich an Dreher, Kotsogiannis and McCorriston (2004, 2007) and Schneider (2010) an.

©KOF ETH Zürich, 1. Jul. 2010

 
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Friedrich Schneider

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