Cui Boni?

Die Auswirkungen einer Bonus-Steuer auf Managergehälter und Wohlfahrt

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Doina Maria Radulescu, 25. Mai 2010
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Die Einführung einer Bonus-Steuer in Grossbritannien und Frankreich hat in den letzten Wochen Wellen geworfen. Anfang Dezember verkündete das britische Schatzamt, es wolle alle nicht vorher vertraglich vereinbarten Boni über 25000 GBP (28000 Euro) von Bankern einmalig und rückwirkend mit 50% besteuern. Dies im Zeitraum vom 9. Dezember 2009 bis zum 5. April 2010. Mit dem Argument, dass Banken ihre Gewinne lieber für die Stärkung ihrer Kapitalbasis verwenden sollten, anstatt hohe Boni auszuzahlen, verteidigte der britische Kanzler, Alistair Darling, diese Massnahme. Die Einnahmen aus der Bonus-Steuer sollten laut Darling zur Rückzahlung der zur Bankenrettung verwendeten Steuergelder genutzt werden. Auch die französische Finanzministerin Christine Lagarde kündigte an, dass Frankreich in diesem Jahr eine Bonus-Steuer auf Boni über 27500 Euro erheben wolle. Die Sozialdemokratische Partei (SP) in der Schweiz schlägt ebenfalls eine Bonus-Steuer von 8.5% auf Boni über 1 Million CHF als Antwort auf exzessiv hohe Gehälter vor.[ 1 ]

Warten auf Toronto

Interessant wird es, die Haltung der Europäischen Kommission zu diesem Thema zu erfahren – will sie doch die Massnahmen, die sie beim G20-Treffen in Kanada im Juni vorschlagen will, demnächst veröffentlichen. Die Reform des Finanzsektors wird eines der Hauptthemen des G20-Treffens sein. Die Mächtigen der Welt werden dann Massnahmen diskutieren, die helfen sollen, die überbordende Risikobereitschaft zu reduzieren und wieder eine Unternehmenskultur mit nachhaltigem und bedachten Handeln zu schaffen. Der Fokus wird auf nicht kurzfristige Gewinnmaximierung gelegt werden (Toronto Summit, 2010).

Was sind aber überhaupt die Folgen einer solchen Steuer? Da Topmanager hohe Gehälter beziehen, könnte ihre Reaktion auf Steueränderungen wichtige Effizienz- und Einkommenswirkungen haben.

Modellierung der Auswirkungen einer Bonus-Steuer

Mittels eines Prinzipal-Agenten-Modells wird ein Unternehmen betrachtet, das in zwei verschiedenen Ländern tätig ist und in jedem dieser Länder einen Geschäftsführer beschäftigt. Wenn ein Land eine Steuer auf die Bonuskomponente des Lohnes einführt, wird hier die Brutto-erfolgsbasierte Kompensation steigen, damit die netto-erfolgsbasierten Kompensationen in beiden Ländern gleich sind. Das steht im Gegensatz zur Ankündigung von Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank, die Bonuszahlungen in dem Nicht-Steuer-Land zu senken. Eine derartige Reaktion auf die Steuer wäre ex-ante nicht möglich, da die Partizipationsbedingung des Managers verletzt wäre. Solch eine Politik ist nur durchführbar, wenn die Steuer eine einmalige ex-post Steuer ist.

Es zeigt sich, dass in allen in der Studie betrachteten Szenarien der Anteil der leistungsbezogenen Vergütung an den optimalen Verträgen steigt. Unter Beachtung der Risikoaversion des Agenten wird dementsprechend der optimale Kompensationsvertrag dann einen höheren Anteil leistungsbezogener Bezahlung beinhalten.

Zusätzlich reduziert eine derartige Steuer den Unternehmensgewinn und damit auch die Dividenden. Die Steuer beeinflusst nämlich die Leistung negativ. Das Unternehmen muss somit die Entlöhnung des Managers erhöhen, um ihm einen höheren Leistungsanreiz zu geben. Dadurch sinken die Gewinne des Unternehmens; die Steuerlast wird von den Aktionären getragen. Dieses Ergebnis stimmt mit den Ankündigungen von Banken wie der Deutschen Bank oder der Credit Suisse überein, ihre Dividendenauszahlungen als Antwort auf die Einführung einer Bonus-Steuer in Grossbritannien zu verringern.

Betrachtet man die Wohlfahrtsauswirkungen einer solchen Politik, könnte das Land, in welchem keine derartige Steuer erhoben wird, einen Nachteil erleiden, wenn die Bank für jedes Land einen Manager beschäftigen muss. Dabei wird die Möglichkeit des drohenden Wegzugs des Unternehmens in ein Nicht-Steuer-Land ausser Acht gelassen. In diesem Fall würden alle Dividendenausschüttungen sinken, und somit sogar die Dividendeneinnahmen der Aktionäre aus dem Land, das die Boni nicht besteuert. Die Wohlfahrtswirkungen für das Land, welches die Steuer einführt, hängen von den Veränderungen der Steuereinnahmen durch die Bonus-Steuer wie auch von der Beziehung zwischen dem positiven Steuereinnahmeeffekt und dem negativen Dividendeneinkommenseffekt ab.

Finanzinstitute sind mobil

In einem zweiten Szenario wird angenommen, dass die Firma die Möglichkeit hat, Manager zwischen den Ländern zu versetzen – dies als Antwort auf Einführung der Bonus-Steuer. Diese Annahme stimmt mit der Reaktion der Mehrheit der Finanzinstitute wie Goldman Sachs, Société Générale, BNP Paribas, HCBC oder JP Morgen überein. Diese drohten an, sich wegen der Bonus-Steuer aus Grossbritannien zurückzuziehen.

Wenn wir die Wohlfahrtsfunktion um die Einnahmen aus der Einkommensteuer erweitern, ändern sich die Wohlfahrtsimplikationen im Vergleich zum Szenario ohne Umzugsmöglichkeit. Das steuererhebende Land wird stärker verlieren, da die Versetzungsmöglichkeit der Manager sowohl die Einnahmen aus der Einkommensteuer als auch die Einnahmen aus der Bonus-Steuer negativ beeinflusst. Das Land, das die Bonus-Steuer nicht einführt, könnte sogar in Bezug auf die Wohlfahrt gewinnen. Dies, wenn der positive Effekt der gestiegenen Einnahmen der Einkommensteuer, hervorgerufen durch die Versetzung der Manager, den negativen Dividendeneinkommenseffekt übersteigt.

War for Talents

Angenommen, die Option des Managers ist nicht eine Stelle in einem Finanzunternehmen in einem anderen Land, sondern in einem anderen Wirtschaftszweig, der nicht mit einer Bonus-Steuer belastet wird – dann könnte die Einführung einer Bonus-Steuer für Bankangestellte Auswirkungen auf die Allokation des Humankapitals zwischen den Sektoren haben. Das bestätigt die Bedenken von Banken, wie sie in Zukunft den Wettbewerb um Talente gewinnen können. (siehe auch «aus dem Moore», 2010).

Deswegen würde eine Steuer, die nur den Finanzsektor betrifft, die Allokation von sehr gut ausgebildeten Spitzenkräften verbessern. Das stimmt mit den Forschungsergebnissen zur Allokation von Talenten überein. Wie Baumol (1990) zeigte, determinieren die relativen Auszahlungen unterschiedlicher unternehmerischer Aktivitäten die Allokation von Humankapital zu unproduktiven Aktivitäten wie Rent-Seeking oder zu produktiven Aktivitäten wie Innovationen.

Somit wäre ein Nebeneffekt der Bonus-Steuer – wenn man der Ansicht ist, dass die Erträge des Finanzsektors vor allem hohe Renten sind – eine verbesserte Allokation von sehr gut ausgebildeten Menschen. Doch dies ist kein Ziel der Politiker, die eine Einführung einer Bonus-Steuer diskutieren. Der Aspekt wird hier nicht weiter ausgeführt, obwohl er eine wichtige Konsequenz der Steuer darstellt, die zukünftig untersucht werden könnte. Die übrigen Ergebnisse der Untersuchung stimmen mit den wohlbekannten Ergebnissen aus der internationalen Besteuerung überein. Das ist nicht überraschend, da wir annehmen, dass Manager sehr mobil sind und wir das Angebot an Managern am Markt als elastisch betrachten.

Nichtsdestotrotz will unser Beitrag zeigen, dass ähnliche Schlussfolgerungen für gut ausgebildete, gutverdienende Spitzenkräfte angewendet werden können, und dass sich Politiker gewisser Konsequenzen der diskutierten Massnahmen bewusst sein müssen.

Literatur

Aus dem Moore, N., 2010, Hohe Banker Boni, weniger Wohlstand, Cicero – Magazin für politische Kultur, April 2010.

Baumol, W.J., 1990, Entrpreneurship: Productive, Unproductive, and Destructive, Journal of Political Economy, Vol. 98, No. 5, pp. 893-920.

Toronto Summit, 2010, Toronto Summit- Summit Themes, http://g20.gc.ca/toronto-summit/summit-themes/[ a ]


  • 1  Eine ausführliche Diskussion der hier angesprochenen Probleme mit genauer Angabe der verschiedenen Quellen findet sich in Radulescu, Doina Maria (2010): The Effects of a Bonus Tax on Manager Compensation and Welfare, CESIFO WORKING PAPER NO. 3030, April 2010. JEL-Code: H24, H22, J22, J30.

©KOF ETH Zürich, 25. Mai. 2010

 
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Doina Maria Radulescu

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Bonus-Steuer, G20, Principal-Agent, Wohlfahrt

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